Saturday, March 22, 2014

Erst die Arbeit II

Mit etwas Herumgekurve kamen wir am Ende mit nur zehn Minuten Verspätung am Studio an. Dabei kann man das gar nicht mal wirklich Verspätung nennen, für italienische Verhältnisse waren wir sogar akkurat wie ein Schweizer Uhrwerk, denn wir hatten uns "verso le 10" treffen wollen und da sind zehn Minuten ja sogar für Deutsche noch absolut im Toleranzrahmen. Ich sollte unser Kommen mit einem Squillo bestätigen, sobald wir vor der Tür standen und fix wählte ich die Handynummer, die ich bekommen hatte, ließ einmal klingeln und legte dann auf. Das war ein Squillo wie ich ihn bislang aus Italien kannte. Aber der Mensch vom Studio rief mich glatt zurück, ich hätte ja gleich wieder aufgelegt und wo genau wir denn wären und dass er zu uns stoßen würde. Später fragte ich meine bessere Hälfte, ob man in Genua eine andere Vorstellung von einem Squillo hätte und er meinte: "Nun, es kann beides bedeuten, entweder nur durchklingeln lassen und auflegen oder aber auch, dass man sich kurz abspricht." Toll, da war es mit meiner kulturellen Kompetenz ja doch nicht so weit her! Aber mit solchen Stolpersteinen hielten wir uns jetzt nicht lange auf. Wir wurden noch im Hof begrüßt und durch mehrere verwinkelte Gänge in ein wirklich top ausgestattetes, geräumiges Tonstudio geführt. Und endlich kam Ruhe in unser Sprachenchaos. Mit meinem Agenten spreche ich nämlich seit Anbeginn immer Englisch, weil ich damals als wir uns kennen lernten noch gar kein Italienisch konnte. Und mit seinem Geschäftspartner spreche ich immer Deutsch, weil er dies fließend beherrscht und dazu noch nahezu akzentfrei. Und nachdem ich mit dem einen im Auto nur Deutsch sprach, während dieser mit seinem Partner Italienisch sprach und dieser wiederum mit mir Englisch, wurden wir nun endlich auf Spur gebracht und sprachen nun ausschließlich Italienisch miteinander. Es waren sehr fruchtbare Gespräche, ich glaube alle waren sich auf Anhieb sympathisch und konnten gut miteinander. Interessante Möglichkeiten taten sich auf und wir besprachen sowohl musikalische Zusammenarbeiten als auch Seminare und Promotion. Und ich erkannte auch schnell, dass wir es nicht mit einem Hanswurst zu tun hatten. Dies hier konnte also wirklich eine Zukunft haben. Nachdem wir mehr oder minder alles besprochen hatten, setzten sich die anderen beiden ab, und ich ging noch die Einzelheiten meines Engagements als Sprecher durch. Ich las spontan einen Textausschnitt von Wikipedia, das nächstbeste, was mir in die Hände geraten war und was jemand in einem viel zu hochgestochenen Deutsch geschrieben hatte. Aber im Raum verstand es ja niemand (nicht mal der Geschäftspartner!) und deswegen war es auch egal. Die Aufnahme war gut, was mir hingegen gar nicht gefiel, waren meine Gesprächsfetzen auf Italienisch, die um die Aufnahme herum mit aufs Band geraten waren. Brrrrr, wie das klang! Mich verunsicherte mein Italienisch dermaßen, dass ich mich sogar weigerte noch eine englische Aufnahme zu machen, auch wenn man mich von allen Seiten dazu nötigen wollte. Nein nein nein, ich würde heute nur noch Muttersprachliches professionell verwenden, auch wenn ich nur wenige Minuten zuvor noch meine Seminare zur englischen Aussprache an den Mann gebracht hatte. War mir auch egal, ob das einen Sinn ergab oder nicht.
Kaum zurück im Auto, nörgelten meine Begleiter noch immer, wieso ich mich geweigert hätte auch auf Englisch zu arbeiten, das wäre doch absolut toll geworden und überhaupt. Dabei echauffierte ich mich dann derart, dass mein Englisch - in das wir jetzt wieder gefallen waren - leicht zu wünschen übrig ließ. "Haha, jetzt hattest du glatt einen deutschen Akzept", lachte der Geschäftspartner von der Rückbank. Na, vielen Dank auch, das hatte mir jetzt noch gefehlt. "Ihr verunsichert mich", beklagte ich mich jetzt, "jetzt kann ich nicht mal mehr vernünftig Englisch!". "Ach was, das war doch nur ein kurzer Moment", rechtfertigte sich der Geschäftspartner inzwischen auf Deutsch. "Und du weißt ja, ich liebe die deutsche Sprache und die Deutschen. Was macht es da, wenn man hört, dass du Deutsche bist?" "Das geht auf gar keinen Fall - nicht, wenn ich den Krempel unterrichte. Und meine Güte, ich weiß ja, dass ich es besser kann. Also ist es doch gut, dass ich keine englische Aufnahme gemacht habe, wenn ich da heute nicht in Form bin. Ganz zu schweigen von meinem Italienisch! Da konnte ich nun wirklich nicht verheimlichen, woher ich komme. Ich hatte ja keine Ahnung, WIE Deutsch ich klinge, wenn ich Italienisch spreche...!" Ja und da wanden sie sich, die beiden. Dass es Leute gäbe, die einen viiiel stärkeren Akzent hätten als ich und überhaupt sei es genau das, was man typischerweise von einem Deutschen erwarten würde, wenn er Italienisch spricht. Ich entschied noch an Ort und Stelle, dass ich dringend in jeglichen Sprachen an meiner Aussprache würde arbeiten müssen...


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