Monday, March 24, 2014

...dann das Vergnügen III

Ich verstehe auch nicht, wie unnachahmlich schnell die Zeit vergehen kann, wenn man im Grunde gar nichts Bestimmtes tut. Nach gefühlten dreißig Minuten des Umherstreifens, Fotografierens, Holzsammelns und dabei zuschauen, wie die Jungs mit Ludwig spielen, der es darauf anlegt, dass ihm das Holzstück, das er mit sich herumträgt, erfolglos abgejagt wird, waren tatsächlich drrei Stunden vergangen und man einstimmig der Meinung, dass nun Zeit für Merenda sei. Merenda ist eine Zwischenmahlzeit, z.B. ein Snack vor dem großen Abendessen, oft auch einfach eine kleinere Mahlzeit in der langen Pause zwischen Mittagessen und dem oft sehr späten Dinner. Wir hatten noch weiteres Gemüse dabei, noch mehr Ciabatta und Geflügel. Und wir hatten noch Wein. Das Lagerfeuer wurde wieder angeworfen  und inzwischen hatte man das Gefühl, man hätte nie im Leben etwas anderes getan. Gab es noch ein Leben außerhalb dieses Berges?
Nebel stieg auf, das grandiose Panorama versank nach und nach im weißen Dunst und auch die Sonne ließ an Kraft nach. Jetzt wurde das Feuer auch zum gemütlichen Aspekt. Wir grillten alles, was noch übrig war, bestrichen die Ciabattastücke mit in Olivenöl getauchten Rosmarin und gossen Rotwein über das Geflügel. Ein Essensduft lag in der Luft, dass ich schon Bedenken hatte, dass er wilde Tiere anlocken könnte.
Auf einmal hörte ich ein leises Bimmeln in der Ferne. Ich glaubte erst noch meine Ohren würden mir einen Streich spielen, aber das Geräusch wollte nicht aufhören. Verschiedene kleine Glöckchen schienen das zu sein und irgendwann stand ich auf um einen Blick auf die Ebene zu werfen, über die wir selbst gekommen waren. Die Atmosphäre hatte fast etwas Gruseliges: Nebel kroch durch die Bäume in unsere Richtung und aus genau diesem Nebel kam auch das Bimmeln. Ich schaute so lange zu, bis ich verschiedene weiße und graue Flecke im Nebel sah, die sich eigenständig bewegten: Ziegen! "Ma...ma...guardate qui!!!" rief ich zu den Jungs, die nun auch ankamen und in den Nebel starrten. "Das muss die Herde von dem Schäfer sein, den wir auf dem Hinweg gesehen haben. Achtung, der hat wahrscheinlich Hunde dabei!" Wir holten Ludwig zu uns und schauten zu wie die Herde nach und nach an uns vorbei lief, hier und da graste und dann nach rechts auf dem Pfad, über den wir gekommen waren, verschwand. Was man hier oben alles zu sehen bekam! Ich hatte ja nicht mal gewusst, dass es noch richtige, echte Schäfer gab - selbst wenn sie mit Ziegen unterwegs waren. Inzwischen war auch unsere Merenda gar, wir teilten den Rest des Chianti auf und zum Nachtisch gab noch Stücke eines Schokoladenkuchens in Form einer Bisquitrolle. Picknick? Ich glaube das Essen hatte mehr mit einem Dreigängemenü gemein. "E te non hai mai fatto un picnic così?" fragte mich einer unserer Freunde ungläubig. "Nein, so in dieser Art noch nie. Auf einer Decke mit fertig Mitgebrachtem, ja, oder eben größere Feiern in einer Grillhütte." - "Also wieder mal richtig durchorganisiert, richtig deutsch eben." Ja, das kam hin. "Etwas Organisation würde uns auch gut tun..." meinte der andere Freund mehr zu sich selbst.
Nach fast sechs Stunden war die Zeit des Aufbruchs gekommen. In aller Ruhe räumten wir unsere Reste zusammen, deckten unser Lagerfeuer mit Steinen zu und trollten uns wohlig gesättigt den Pfad hinunter, den vor uns schon die Ziegenherde genommen hatte. Ich fand noch einen Stein mit einer rosavioletten Färbung und nahm ihn als Andenken mit. Und dann machten wir uns auf den langen Weg nach unten ins Tal, vorbei an Felsformationen und Häusern, die man an die unglaublichsten Stellen gebaut hatte...


No comments:

Post a Comment