Monday, March 24, 2014

...dann das Vergnügen II

Aber lange herumstehen war jetzt nicht angesagt. Dies hier war ein Abenteuerausflug. Jetzt hieß es Holz sammeln. Wir stellten die Taschen ab, hängten unsere Jacken in die Sträucher, bauten ein Lagerfeuer aus dicken Steinbrocken und schleppten von allen Seiten brennbares Material heran. Ludwig lief begeistert zwischen uns herum, verschwand mit irgendeinem von unserer Gruppe, kam dann wieder und ich konnte alles nicht wirklich genießen, denn was wäre, wenn er auf einmal abhaut oder was wäre, wenn er einer Spur folgt oder was wäre, wenn auf einmal ein anderer Hund käme?? Ich brauchte eine ganze Weile, bis ich anfing der Situation etwas zu trauen. Hier oben war weit und breit keine Menschenseele zu finden und Ludwig war ein intelligenter und loyaler Bursche. Er würde nicht einfach abhauen und er würde immer schauen, dass er uns in der Nähe hat. Das einzige Problem in der Tat wäre das Auftauchen eines anderen Hundes, aber ich muss sagen, wir hatten Glück. Das einzige Mal, dass so eine Situation auftrat, war später am Nachmittag und der andere Hund war an der Leine, ebenso wie Ludwig in jenem Moment an der Leine war. Natürlich konnte ich all das nicht ahnen und dann schnitt ich mich auch noch an einem Stück Holz. Aber das waren auch schon die einzigen Katastrophen des Tages. Den Rest der Zeit lebten wir ein fast schon kitschiges Cowboyleben dort oben in den Bergen. Nachdem unser Lagerfeuer brannte, gruppierten wir uns um dieses herum und bereiten die erste Mahlzeit vor. Wir holten eine Flasche Chianti mit Korbummantelung aus der Tasche, mehrere Stangen Ciabatta, Rucola, Steaks, Paprika und Salsiccia, frisch gepflückten Rosmarin und Thymian, Salz, Pfeffer, Olivenöl und Fleischwürze. Die Hitze des Feuers ließ uns ziemlich stöhnen in der Mittagssonne und wir machten schon die ersten Pläne nach dem Essen ein schattiges Plätzchen aufzusuchen. Der Wein stieg hier oben schnell in die Köpfe und ich verfluchte mich innerlich dafür eine dicke Fleecejacke angezogen zu haben. Aber es war kaum ein Moment zur ernsten Klage - als die Steaks gar und die Ciabattastücke kross waren, gaben wir uns einfach der unbeschreiblichen Ruhe hin, hier oben, wo man nichts hörte außer hier und da etwas Vogelgezwitscher und ein klein wenig Wind in den Bäumen. Das war der absolute Frieden, the simple life, weit entfernt von irgendwelchen Problemen, einfach hier in der Sonne sitzen, Chianti trinken, Gegrilltes essen und kristallklare Luft einsaugen. Als Nachtisch gönnten wir uns große Stücke Marmeladentorte und dann war individuelle Freizeitbeschäftigung angesagt. Was tut man an so einem Ort in freier Natur, wenn man weder ein Buch noch einen Laptop, noch Musik oder irgendwelches andere Equipment dabei hat? Wir strichen einzeln oder zu zweit durch die Heidenbüsche am Hang, starrten immer wieder auf das unglaubliche Panorama, legten uns in den Schatten um zu dösen, suchten neues Holz oder kletterten auf Bäume. Die Jungs wollten unbedingt Wanderstöcke aus frischen Ästen schnitzen und irgendwann kamen sogar die ersten Wanderer vorbei. Sie suchten einen Pfad in eines der Dörfer unten am Berg, aber irgendwie schien der Weg verschwunden zu sein. Dreimal kamen sie wieder bei uns vorbei, dann wurden sie nicht mehr gesehn. Die Frauen der Gruppe wären am liebsten bei uns geblieben ("schau mal, die grillen hier!!"), so einladend muss unser Lager ausgesehen haben. Andere Wanderer blieben in der Ferne und bogen auf andere Wege ab. Die meiste Zeit waren wir allerdings ganz allein da oben. Irgendwann zogen unsere beiden Freunde los um zu Fuß ein anderes kleines Plateau aufzusuchen. Sie nahmen Ludwig ohne Leine mit und ich starb schon wieder tausend Tode. Hoffentlich ging das gut! Aber es ging gut. Nach rund zwanzig Minuten waren sie zurück, Ludwig sprang mit glücklichem Gesicht und seitlich heraushängender Zunge an mir vorbei und warf sich unter den nächsten Baum in den Schatten um dort zu verschnaufen. Was für ein zuverlässiger Kerl! Was für ein schöner Ort! Und was für ein wunderbarer Tag!!!



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