Saturday, February 22, 2014

Hundefreier Samstag I

6:00 - Wecker klingelt, während draußen noch das Unwetter tobt, kurzer Bewusstseinscheck: Erkältung scheint noch da zu sein, aber etwas besser als gestern. Ludwig glaubt nicht, dass er heute mit Daddy mit darf. Er will es sich wieder auf dem Sofa bequem machen und rastet erst aus, als er den Befehl erhält die Leine zu holen. Schlafen oder nicht schlafen, frage ich mich und greife unschlüssig nach der Fernbedienung. Während die Nachrichten in Dauerschleife laufen und ich mein Ein-Satz-Horoskop auch bei der vierten Wiederholung noch nicht ganz verstanden habe, geht der Blick aufs Handy. Schon vom Bett aus einen Blick auf Facebook und Co geworfen, man pflegt ja seine Abhängigkeiten.

7:00 - Kaum zu glauben, es klart sich draußen auf! Nichts wie raus aus dem Bett und Kaffee gekocht. Zum ersten Mal seit Wochen trage ich den Fernseher aus dem Schlafzimmer zurück ins Wohnzimmer. Irgendwie interessieren mich heute die Nachrichten, keine Ahnung wieso. Das Wetter wird immer besser und ich immer euphorischer. Toll, so ein eigener Tag! Was man da alles erledigen kann! Der Tatendrang kennt kein Ende. Als erstes spiele ich ein Onlinegame...och nee, oder? Na gut, nur eine Runde!

8:00 - Und gleich einen Blogeintrag verfasst! Ist ja auch das Wichtigste...unschlüssig gehe ich durch alle Räume. Womit fange ich bloß an? Geschirr wird gespült und beim Polieren der Pfanne denke ich abwechselnd an die neue Regierung (irgendwie habe ich letzte Nacht von einer Wahl geträumt...!) und an mein Mittagessen. Ich glaube ich bereite heute mal Couscous zu. Es neigt sich dem Ende zu, das zwingt mich ja regelrecht einen Einkaufszettel für morgen zu schreiben. Couscous, Zwiebeln, Spülmittel, Pasta...ich entsorge eine verschimmelte Apfelsine und bekomme sogleich Hunger.

9:00 - Einen Apfel zum Frühstück gegessen. Und zwei weitere Äpfel in Scheiben geschnitten und in den Ofen zum Trocknen gegeben. Ich würde ja gerne mal so ein ganzes Glas an getrockneten Apfelscheiben zusammen bekommen. Leider fresse ich die meistens schon so frisch vom Backblech weg. Zum x-ten Mal sehe ich denselben Beitrag in den Nachrichten zur heutigen Vereidigung von Renzi. Diesmal höre ich noch seinen Satz heraus "Ein Junge wie ich..." und denke mir meinen Teil dabei. Was zeigen denn die anderen Kanäle? Das Festival von Sanremo...nein danke. Fitnessschuhe im Shopping Channel. In Neapel wird der x-te Selbstmörder zu Grabe getragen, diesmal Pizzabäcker Eduardo de Falco. Um 12% seien die Selbstmorde in Italien gestiegen heißt es. Und dann ist auf einmal der Empfang weg.

10:00 - der Couscous steht auf dem Herd, nachdem ich gerade die letzte Zwiebel wegwerfen musste. Verschimmelt! Innen drin! Von außen hat man nichts gesehen. Auf Canale Cinque werden ausführliche Interviews mit verschiedenen Politikern geführt. Was koche ich bloß heute Abend? Ohne Zwiebel...Vielleicht eine Gemüsesuppe. Mein Kochego ist gewaltig, nachdem meine bessere Hälfte jetzt mein Essen jeden Tag aufs Neue begeistert kommentiert hat. Ich habe ja auch noch diverse tolle Kochbücher hier stehen. Wäre mal an der Zeit diese auch aufzuschlagen.

11:00 - Konnte mich nicht zurückhalten - habe mein Mittagessen vorgezogen und mir eine Schale Couscous mit gemischtem Gemüse und Sesam einverleibt. Der Rest weilt jetzt im Kühlschrank und wie ich mich kenne, wird er den Abend nicht erleben. Geht ja nicht um die Gier hier; ich esse es rein aus gesundheitlichen Gründen. Aus Interesse habe ich mich sogar noch über die Sesampflanze im Internet informiert; man will ja keinem Irrglauben aufgesessen sein. Die Apfelscheiben trocknen noch friedlich im Backofen vor sich hin, während es im TV eine Liveschaltung aus Rom gibt, wo man sich auf die Vereidigung vorbereitet. Ich habe in der Zwischenzeit schon die Wäsche sortiert, Betten neu bezogen und das Schlafzimmer geputzt. Nicht, dass ich nicht dringende andere Arbeiten zu tun hätte, aber man kennt das ja mit der Aufschieberitis - nie hat man sauberere Fenster als zu den Zeiten, in denen man eigentlich konzentriert arbeiten müsste. Im TV stellen sich die neuen Pappenheimer einer nach dem anderen auf und mehr als ein Dutzend mal hört man jetzt den folgenden Satz: "Giuro di essere fedele alla Repubblica, di osservarne lealmente la Costituzione e le leggi e di esercitare le mie funzioni nell'interesse esclusivo della nazione." Oh oh, wie viele Meineide werden hier gerade geschworen...


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