Sunday, February 9, 2014

Gemischte Erkenntnisse...

Da wohnen wir seit beinahe vier Jahren in diesem Haus und nie fand ich heraus, was das für ein Strauch war, der da im Garten an der Treppe steht, im Sommer unspektakulär mit Blättern bestückt und wenigen, kleinen, harten, apfelähnlichen Früchten, im Winter kahl und übersät mit leuchtend pinken Blüten. Niemand schien diesen Strauch zu kennen, und wie googlet man eine Pflanze, die man nur beschreiben kann, aber nicht ansatzweise einen Namen kennt. Bis ich endlich auf die Idee kam, mal ein Foto in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen mit der Frage "Wer kennt diese Pflanze?". Innerhalb einer Stunde hatte ich die Antwort: eine Zierquitte ist das. Die Früchte sollen genießbar sein und hin und wieder zu Marmelade verarbeitet werden. Wieder um eine Erkenntnis reicher.
Überrascht hat mich eine andere Erkenntnis, nämlich, dass man in Italien auf einen schwarzen Rassisten stoßen kann. Der Schwarze hasst. Ja, wirklich. Im Zug bin ich mit ihm nach Genua gefahren und er schilderte lang und breit wie entsetzlich er es finde, an jeder Ecke auf Schwarze zu stoßen, die keine Bildung hätten, keinen Ehrgeiz und ein schlechtes Bild auf Menschen seiner Hautfarbe werfen würden. Jedes Klischee würde auf sie zutreffen und er dürfe das dann ausbaden, weil er doppelt und dreifach so viel Bemühen zeigen müsste, um sich von ihnen abzuheben, solange sich diese Massen im Land aufhalten. Woher dieser Mensch kam, weiß ich nicht, aber er hatte studiert, war ein Unternehmer und mit einer Italienerin verheiratet. Und der erste Schwarze, von dem ich je hörte: "Bah, schauen Sie mal da vorne, schon wieder Massen von Schwarzen. Die sind überall!"
Und ja, auch die Erkenntnis, dass sich Italiener gegen ihre eigene Familie wenden können, auch das war neu für mich. Aktuell geistert ein Erbskandal durch die Reihen meiner italienischen Verwandtschaft. Ein alter Cousin ist durch Familienerbe in den Besitz von mehreren Immobilien gekommen, selbst kinder- und frauenlos und geistig schon nicht mehr ganz da. Er hat die leerstehenden Immobilien mit eisernem Griff umklammert und wehe jemand denkt auch nur im Traum daran sich eine davon anzusehen, ganz zu schweigen davon eine mieten zu wollen. Das wären nämlich seine und die Familie könnte sich abschminken eines Tages an diese Häuser und Wohnungen zu kommen. Niemand bekäme sie, weder jetzt noch später. Er verzichtet also lieber auf Mieteinnahmen als dass er riskieren wollte die bucklige Verwandtschaft in "seine" Häuser zu lassen, für die er selbst keinen Cent jemals bezahlt und keinen Finger jemals krumm gemacht hat. "Brutto stronzo!" schreit die Familie kollektiv und schwört den Kerl hängen zu lassen, sollte er mal Hilfe brauchen. Aber ich habe das Gefühl als wäre der Rest der Sippe dann doch wieder zu italienisch um das durchzuhalten. Ich könnte das ja, aber meine Mentalität ist da auch anders...


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