Sunday, January 19, 2014

Wenigstens kein Schnee...

Dauerregen, Dauerregen, Dauerregen. Nein, ich rege mich nicht auf darüber, das habe ich nur im Frühling gemacht, als wir sage und schreibe sechs Wochen am Stück Dauerregen hatten und der Frühling erst im Mai anfing. Jetzt haben wir Winter und im Winter ist das ok. Besser als Schnee allemal und das nicht nur, weil ich meine Schneestiefel in Deutschland habe. Ich finde Schnee auch im Allgemeinen furchtbar nervig. Entweder er ist schön weiß und tief und hält lange, dann macht er aber nichts als Ärger, wenn man von A nach B kommen will, oder aber (und das ist ja meistens der Fall) er fällt, macht Ärger, wird aber sofort zu Matsch, so dass man nie weiß, wo man seine Schneestiefel aus- oder anziehen soll, denn immer ist es zu kalt oder man trägt ohne Ende Dreck ins Haus. Aber das Problem haben wir hier ja gar nicht, also ist das Thema Schnee jetzt auch unerheblich. Dafür haben wir etwas Anderes hier: Unwetter, Gewitter, Erdrutsche, Orkane, Platzregen. Und das alles gleichzeitig. Am Freitag wurde aus diesem Grund eine Unwetterwarnung ausgesprochen mit dem Verbot in die Wälder zu gehen und dem Hinweis möglichst nicht unter Bäumen zu parken. Dabei ist das alles einfacher als gesagt. Wo bleibt man bei all dem Wasser, was in diesen Tagen vom Himmel kommt? Es bricht größtenteils literweise aus den Wolken und schießt hier in beachtlichen Bächen die Straße hinunter, mancherorts über die volle Breite der Straße. Das sind Gummistiefelzeiten, wenn man auf Pfützen von über 10cm Tiefe stößt. Der Regen bringt auch allerhand Materialen mit, die auf der Straße gar nichts verloren haben - Berge von Sand und Kieselsteinchen, größeren Gesteinsbrocken und dicken Ästen. Der Wind ist nämlich auch nicht zu verachten, er pfeift hier klassisch heulend ums Haus - mit den Bergen im Nacken umso lauter - und ich wundere mich, dass ich hier noch keine größeren Schäden entdeckt habe. Die muss es aber geben, immerhin fließt Wasser auch unmittelbar aus dem Boden an den Bergen heraus und irgendwo muss das alles ja ankommen. Wenn man die regelmäßigen Sirenen aus dem Ort hört, dann kann man es sich denken: da laufen erneut einige Keller voll. In Marina Richtung Strand meldeten einige Bekannte bereits, dass das Wasser bis kurz vor der Haustür steht. Und in diversen Wohnungen - darunter bei meinen Schwiegereltern - kommt es innen an den Wänden herunter. Der Zugverkehr Richtung Norden nach Ligurien ist stark betroffen von der Wetterlage. Alleine in Ligurien selbst wurden inzwischen über 100 Erdrutsche gezählt, viele landeten auf Gleisen, einen Zug hätte es beinahe ins Mittelmeer geworfen. Es gibt Verzögerungen und Zugausfälle, meine bessere Hälfte kam zweimal die Woche gar nicht nach Hause, weil die Züge einfach nicht mehr durchkamen. Zunächst einmal endet die Unwetterwarnung morgen früh, aber es ist auch gut möglich, dass sie noch einmal verlängert werden wird. Bleibt man eben größtenteils im Haus, hört den Donner in den Bergen hallen und hält die Läden geschlossen. Würde Ludwig nicht jeden Tag nach draußen wollen, bekäm mich überhaupt niemand vor die Tür in diesen Tagen. Der Hundemantel hält soviel Regen nicht stand und trotz Gummistiefel muss ich mich auch nach jedem Gassigang umziehen, wenn das Wasser bis zur Hüfte spritzt und der Regen irgendwie sogar die Ärmel bis zum Ellenbogen völlig einweicht. Aber Ludwig ist glücklich. Begeistert schnüffelt er in der regennassen Luft, springt auf glitschige Mauern und watet durch 30cm hohes und durchgeweichtes Laub, als gäbe es nichts Schöneres. Während ich etwas beunruhigt auf die Hänge links und rechts schaue und mich frage, wie lange diese noch an Ort und Stelle bleiben werden...

No comments:

Post a Comment