Friday, January 17, 2014

Was ist Meditation?

Ein Yoga-Hotel? Autogenes Training? Atemkurse? Ein Kuraufenthalt?
Für mich ist Meditation inzwischen überall. Am frühen, dunklen Morgen eine Mail schreiben, während draußen die ersten Autos unterwegs sind, meinem Hundesohn Ludwig ein Steak kleinschneiden und Nudeln abgießen, im Garten Zitronen vom Baum pflücken und Kräuter schneiden, Holz für den Kamin zusammenstellen, in der Cantina mit Ludwig einen Quietscheball kicken, in aller Gemütsruhe den Herd polieren, mit einem Buch in der Sonne sitzen, über das Tal mit seinen qualmenden Schornsteinen schauen, Zwiebeln in der Pfanne anbraten, die Leuchter auf dem Kaminsims mit neuen Kerzen bestücken, ja ich meine wirklich fast überall. Wichtig ist mir bei all diesen fast schon unbedeutenden Kleinigkeiten des Alltags, dass man sie mit einer gewissen Ruhe tun kann, die man nur hat, wenn einen von außen niemand mehr antreibt, weil man sich seine Arbeit selbst einteilt. Und dann gibt die Ruhe sogar ein richtiges Konzert, völlig berauschend. Ich finde dabei immer, dass sie fast wellenförmig in die Ohren schwappt, wenn man sie wirklich wahrnimmt. Das ist richtig unglaublich. Und dazu darf ich dann mal keine Musik im Hintergrund laufen lassen, denn sonst hört man die Ruhe nicht. Jetzt habe ich wieder so einen meditativen Moment: ich arbeite mit einem Journalismusbuch, jetzt um Mitternacht, während der Wind ums Haus pfeift, als wäre er einem alten Gruselstreifen entnommen. Und zum Arbeiten keine leise Audiodatei, nur den Wind, der pfeift und der Regen, der gegen die geschlossenen Fensterläden klatscht, weil es für heute Nacht eine Unwetterwarnung gegeben hat. Ludwig schnarcht friedlich unter dem Tisch, an dem ich sitze, und diese popelige Alltagsszenerie ist Meditation pur. Ja, ich habe auch noch Facebook geöffnet, aber ich schaue es mir gerade nicht an. Ich habe auch 6 Emails im Posteingang, die ich mir hier und jetzt auch nicht anschaue, sondern erst morgen. So unglaublich entspannend kann Alltag sein? Ja, wenn man sich darauf völlig einlässt und einlassen kann. Ich kann mir aktuell keinen höheren Lebensstandard vorstellen als diesen. Denn ist es ein höherer Lebensstandard, wenn man einmal im Monat in ein Yoga-Hotel fährt um sich den Alltag von der Seele zu meditieren oder ist es ein höherer Lebensstandard, wenn man all dies gar nicht erst braucht? Ich kenne den Unterschied ohnehin, denn diese Art der Ruhe ist auch für mich immer noch neu. Wobei alt genug um schon eine Reihe von überzeugenden Effekten hinterlassen zu haben: ich schlafe wie ein Baby und bin morgens nicht mehr wie gerädert, knirsche nicht mehr mit den Zähnen durch einen hartnäckigen, unterbewussten Druck, den man auf die Kiefer ausübt, ich habe keinen Haarausfall mehr, keinen Tinnitus, renne nicht mehr rastlos durch die Gegend und mir graut nicht mehr vor den kommenden Tagen, sondern ich fühle mich zum ersten Mal wirklich richtig wohl und ausgeglichen. Und sowas ist Gold wert in Zeiten, in denen Burnout Hochsaison hat, nicht wahr?


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