Thursday, January 2, 2014

Mit Volldampf...

Ganz genau 12 Stunden bin ich nun schon auf  den Beinen und ganze 12 Stunden habe ich bislang schon gearbeitet und ich frage mich gleichzeitig, wo um Himmelswillen denn der Tag nur geblieben ist. Und nein, ich habe dabei weder in der Ecke gesessen und gelesen (obwohl ich noch einiges zu lesen habe!), noch habe ich mir die Zeit mit Onlinegames vertrieben. Ich komme einfach nicht mehr mit meiner to-do-Liste hinterher und dabei hat das Jahr gerade erst angefangen. Deswegen bin ich heute Morgen auch um 6:20 aufgestanden, kaum dass meine bessere Hälfte den Wecker abgedrückt hat und sich beeilen musste, um noch rechtzeitig zum Zug zu kommen. Ganz fürsorglich habe ich ihm noch Kaffee gemacht und ein Sandwich für die Fahrt und dann bin ich nicht wieder ins Bett gegangen, wie man vielleicht gerne getan hätte, nein, ich habe mich halbwegs ausgeruht gleich an den Schreibtisch gesetzt und angefangen zu arbeiten. Es war noch so dunkel draußen, dass ich gar nicht gemerkt habe, was für ein schrecklich trüber und regnerischer Tag das heute werden würde. Ludwig schlief noch eine Runde - laut schnarchend - auf dem Rücken auf dem Sofa und so war ich wirklich ungestört. Bis 9 Uhr hatte ich alle Unterlagen meines Projekts mit der Virginia Tech University durchgearbeitet und war erfreut festzustellen, dass es immer noch sehr früh am Morgen war. Sicherheitshalber noch einen großen Kaffee gemacht und stellte fest, dass Ludwig immer noch im Land der Träume wandelte - jetzt auf der Seite, schnarchend und die Zunge hing ihm dabei seitlich aus dem Maul heraus. Ich sollte also besser noch weiter am Schreibtisch arbeiten, solange es hier so ruhig war. In einem kreativen Anfall entwarf ich gleich 20 neue Designs für meinen Onlineshop und beantwortete in rasendem Tempo eine Hand voll Mails, die sich in den letzten Tagen angesammelt hatten. Darunter ein Jobangebot einer Sprachenschule in Genova mit der Frage, ob ich vorbeikommen könnte und wann ich möglicherweise anfangen wollte. Halt, Moment mal, ich hatte lediglich gesagt, dass es eine Option sei, aber nicht, dass ich um jeden Preis in einer Sprachenschule arbeiten wollen würde. Noch dazu in Genua - das leidige Thema. Ich entschied, mir das erstmal offen zu lassen und kämpfte mich im Anschluss durch 4 Songtexte einer unbekannten Band, diesmal in recht passablem Englisch, so dass es nicht so vieler Bemerkungen und Korrekturen bedurfte. Abgehakt, das nächste. Ludwig war inzwischen wach und schaute mich vorwurfsvoll an. Also konnte ich jetzt auch durch die Gegend laufen. Ich stellte mich der Konfrontation mit schmutzigem und teils eingetrockenetem Geschirr von fast einer Woche, darunter eingebranntem Hühnchen in Auflaufformen und Kochtöpfen mit verschiedenen braunen Rändern von mehreren Durchgängen Kastanien kochen, einem fettigen Gugelhupf und einigen Sektgläsern, also allesamt Geschirr, das man mit der Hand spülen musste und wo es nicht genug war mal mit dem Lappen drüber zu gehen. Rund drei Stunden rief der Haushalt nach intensiver Aufmerksamkeit, dann rief wieder Ludwig. Im strömenden Regen stapften wir beide durch Laub und Erde Richtung Carrara und während ich das Gehampel mit dem Schirm und den schweren Gummistiefeln sehr nervig fand, drehte Ludwig jetzt richtig auf, sprang kopflos auf glitschige, vermooste Mauern oder machte spontane Haken, versank halbhoch in Pfützen, alles im Dauerlauf und ich machte drei Kreuze, als wir wieder heil daheim angekommen waren. Während er trocknete, beobachtete Ludwig interessiert etwas durch sein Lieblingsfenster. Als ich hinter ihn trat, sah ich wie sich draußen im Regen eine Blaskapelle formierte. Kurz darauf lief der Zug mit zünftiger Marschmusik die Einbahnstraße in verkehrter Richtung hinunter. Und während wir uns noch wunderten über dieses Schauspiel, folgte der Kapelle ebenso falsch herum ein Leichenwagen mit Sarg und eine Horde Fußgänger, alle mit denselben Schirmen. Und zwei weitere Autos kümmerten sich ebenso nicht um die Straßenverkehrsordnung und Ludwig und ich schauten dem seltsamen Zug hinterher bis dieser um die Ecke marschierend verschwunden war. Sachen gab's...und dabei behaupten die hier immer, die Deutschen wären besessen davon immer und überall zu marschieren. Ich tat stattdessen mein Möglichstes, um das Bad in einen porentief reinen Zustand zu bringen, aber die Freude währte nicht lange. Was sonst nie passiert - nämlich, dass Ludwig in die Badewanne will - passierte nun heute, kaum dass ich die Reinigung stolz abgeschlossen hatte - er sprang mit Anlauf in die saubere Badewanne, klaute eine Nagelbürste und rannte wieder davon, zurück blieben nur Dutzende von Pfotenabdrücken, die ich sogleich wieder anging. Dann klingelte mich noch der Paketdienst in den strömenden Regen hinaus und ein Anruf eines Magazins, für das ich mal was geschrieben hatte, klingelte mich sogleich wieder ins Haus hinein, gefolgt vom nächsten Anruf meines Agenten bezüglich des Kooperationspartners für Mailand. Dann noch schnell etwas zu zwei Anthologien eingeschickt und einen Blick in die Zeitung geworfen. Und nein, es ging auch den weiteren Nachmittag so munter weiter, immerhin habe ich jetzt nach diesen ersten zwölf Stunden voller Tatendrang 9 Punkte meiner to-do-Liste für den Januar abhaken können, aber Achtung, diese Liste führt sage und schreibe 128 (!) Dinge dieser Art. Das kann ja noch heiter werden. Aber diese Produktivität fühlt sich auch sehr gut an. Jetzt noch den Kamin leeren, Feuer machen, Abendessen kochen und einen vorsichtigen Blick auf neue Mails geworfen...und dann ist fast schon Feierabend???


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