Tuesday, January 28, 2014

Januar Fragen IV

- "Dass das mit dem Land, wo die Zitronen blühn nicht so ganz Alltag ist, hast du ja öfters formuliert. Mich würd mal dennoch interessieren, ob du das Leben in Italien allgemein gesprochen "hart" findest oder wie so deine Zwischenbilanz ist."

Gute Frage! Ich denke hier muss man beachten, dass es unglaublich viele verschiedene Facetten gibt. Und alles zusammen trägt dazu bei, wie man das Leben in einem Land bewertet am Ende des Tages. In einem Land, das in einer großen ökonomischen Krise steckt, ist das Leben wirtschaftlich gesehen, durchaus recht hart. Das Einkommen ist hier ungleich geringer, Jobs kaum zu bekommen. Das ist hart. Steuern melken die Leute, auch das ist hart. Wer mit romantisierten Vorstellungen hierher kommt, der wird schnell böse erwachen. Wer glaubt hier einen ewigen Urlaub zu leben, könnte vielleicht sogar auf seine Kosten kommen, wenn er aufgrund von Arbeitslosigkeit eh jeden Tag frei hat und sich am Strand tummelt, weil das der einzige Vergnügungsplatz ist, der nichts kostet. Ich bin ohne all diese Illusionen hier hin gekommen und habe mich eher auf ein Land eingestellt, in dem Korruption und Ausbeutung an der Tagesordnung sind. Mich schockt hier gar nichts, vielleicht auch, weil sich unterm Strich die schlimmsten Erwartungen nie bestätigt haben. Das zur negativen Seite. Große Schritte kann man hier nicht machen, es sei denn man rückt mit sehr viel Geld an. Ich sehe aber dennoch, dass ich mich hier sehr entwickelt habe. Ich arbeite hier hart, was aber in jedem Land für den Erfolg zu tun ist, denn nirgendwo bekommt man ihn geschenkt. Und ich sehe aber hier im Vergleich zu vorher auch meine Fortschritte und Verbesserungen sehr viel deutlicher. Das ist alles individuell natürlich. In Deutschland lief ich im Hamsterrad bis zum Burnout, viel Geld aber auch viele monatliche Ausgaben. Hier ist alles heruntergeschraubt. Viel weniger Einnahmen, aber auch weniger finanzielle Verpflichtungen. Hier investiere ich meine Zeit und meine Mittel in Dinge, auf die ich Einfluss habe und auch steuern kann, was unterm Strich heraus kommt. Das macht den Einsatz lohnenswert. Ich fühle mich nicht mehr fremdbestimmt. Nur so konnte ich auch eigene Stärken entwickeln, z.B. meine Organisation verbessern (die hier immer noch regelmäßig auf Bewunderung stößt), ich lasse mich nicht mehr so schnell verunsichern und entmutigen, ich kann auf meinen Instinkt hören, ich habe meine Ziele ganz klar vor Augen und ebenso den Weg dorthin. Ich bin auch abgehärteter, erwarte spontane neue Hürden und kann flexibler darauf reagieren. Und zum ersten Mal bin ich stolz auf das, was ich tue, auch was ich geleistet habe, denn zum ersten Mal hat es mit mir zu tun. Und das macht jeden Fortschritt zu einem kleinen Sieg im Lebensspiel. Unterm Strich war mein Leben in Deutschland vorher härter und vor allen Dingen viel unglücklicher.


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