Friday, January 10, 2014

Forza Forza!

Eigentlich hatte ich ja über etwas ganz anderes schreiben wollen, nur ich komme nicht dazu! Wenn es so weitergeht, werde ich mir eine Auszeit vom Bloggen gönnen müssen, denn ich habe gar keine Gelegenheit im Moment mich hier irgendwie kulturell zu betätigen. Nein, ich bin immer noch zu eingespannt. Und muss ganz genau entscheiden, um was ich mich jeden Tag kümmere. Das Jahr ist nun schon zehn Tage alt und eigentlich wollte ich schon längst - nein, so einfach ist das nicht. Seit Tagen schiebe ich vor mir her, dass ich eine Audio-Datei aufnehmen muss, die nach Rom geht und wenn ich noch länger nicht dazu komme, dann kann ich es auch gerade ganz lassen, denn dann ist die Deadline überschritten. Aber ich habe noch eine knappere Deadline, nämlich am Sonntag. Und bis dahin muss ich mich durch gefühlte 3000 Seiten Berichte über PVC-Vergiftungen aus den 70ern gelesen und diese auf Englisch übersetzt haben. Und dabei kam mir heute mehrfach das Italienische dazwischen, bis ich es völlig ausgeklammern konnte und schließlich auch endlich wieder mein Englisch nur so flutschte. In dieses Chaos hatte mich schon gestern eine italienische Freundin gestoßen, mit der ich immer Englisch spreche. Als ich ihr öffnete, wusste ich im ersten Moment gar nicht, in welcher Sprache ich jetzt loslegen wollte. Und dann musste ich der Einfachheit halber auch mit meinem Hund Englisch sprechen, mit dem ich sonst eigentlich immer Deutsch spreche oder auch Italienisch, wenn ich zusammen mit meiner besseren Hälfte mit dem Hund spreche. Deswegen kam mir Englisch gestern aber seltsam vor und auch Ludwig schaute mich schräg an, als hätte ich jetzt völlig den Verstand verloren. Dann sagte ich wieder etwas Italienisches zu ihm und kam mir komisch vor vor der Freundin, die als Muttersprachlerin dann sofort einstieg und auch mit Ludwig Italienisch sprach. Als dann das Telefon klingelte und meine Mutter dran war, war es ganz aus. "Si?" startete ich und musste erstmal wieder umdenken, als es dann auf Deutsch weiterging. Im Anschluss sprach ich spontan auch die Freundin auf Deutsch an und dann war's kurz ganz aus. Zumal mir inzwischen jede Sprache hölzern von den Lippen kam. Nun und in dem Chaos ging das fröhlich weiter, dabei sollte es doch eigentlich gar nicht so schwer sein, gerade mal drei Sprachen auseinander zu halten. Da ich heute alleine war, konnte ich mit meinem Hund wieder Deutsch sprechen und dazu passten dann meine deutschen PVC-Texte. Ich fand eine völlig verspätete englische Weihnachtskarte aus London im Briefkasten, meine deutsche Zeitung und eine Stange italienischer Briefe, die nicht für uns waren, sondern für irgendein Nachbarhaus weiter draußen. Das ist nicht das erste Mal, dass wir ihre Post fälschlicherweise bekommen, aber bislang konnte ich immer irgendwann dem Briefträger das Bündel wieder mitgeben. Bis heute wieder ein Stapel drin war. Anrufe bei der Post waren für die Katz, da nahm einfach niemand ab, also letzte Möglichkeit: die besagten Nachbarn. Und die wussten überhaupt nichts von fehlenden Briefen. Vielleicht weil das Bündel ziemlich verdächtig nach Rechnungen aussah. "Holen Sie Ihre Briefe bei uns ab, und melden Sie das bei der Post" war die einfachste Variante das Thema für heute zu klären. "Ich schicke meine Tochter nach der Arbeit", meinte die Frau und das bedeutete, dass ich heute nicht wirklich aus dem Haus kommen würde. Was ja egal war, denn ich musste eh übersetzen. Mein Blick fiel auf den überquellenden Zitronenbaum. Wenn ich noch länger wartete, konnte ich auch die Limoncello-Produktion knicken. Dabei hatte ich doch gerade erst den Transport halbwegs organisiert bekommen. Aber ich habe noch keinen Limoncello. Dafür muss ich erst Alkohol kaufen und das geht erst am Montag. Sofern wir bis dahin ein neues Auto haben. Also noch zu viele "wenns", um sich jetzt damit zu beschäftigen. Völlig unangekündigt fand ich dann noch einen Songtext in meinem Mailaccount. Ob ich den überarbeiten könnte. Nee, alles zusammen! Die sollen warten, bis sie das ganze Album zusammen haben und dann alles in einem schicken. Und überhaupt, wieso jetzt? Ich hatte mit der besagten Band im Oktober gesprochen und hatte dann nichts mehr gehört. Immerhin lebten sie noch, aber jetzt konnte ich wirklich unmöglich etwas für sie tun. Mein Agent rief an. Ob ich am Samstag nach Genua käme, um die Kooperation zu besprechen? Nee, wirklich nicht! Ich bin hier alleine mit Ludwig und mir steht die Arbeit bis zum Hals. Er soll alleine die ersten Schritte besprechen, denn ich kann aktuell noch nicht mal Ideen äußern zur praktischen Umsetzung der Zusammenarbeit. Was soll ich also ein Zugticket nach Genua kaufen und diverse Stunden auf ein Gespräch verschwenden, zu dem ich gerade nichts beitragen kann außer einem dummen, unprofessionellen Grinsen. Und nein, auch nicht zum Lehrvideo. Das muss alles seine Zeit finden und die Zeit habe ich gerade nicht. Ich finde nicht mal Zeit für meine Buchrecherche, dabei steht die auf der Prioritätenliste ganz oben. "Ich recherchiere für dich", sagte auf einmal eine Freundin spontan. "Ja, ich brauche etwas, was mich motiviert, etwas völlig fachfremdes, bei dem ich einen schnellen Erfolg erzielen kann". Okay, bitte, mich machte es fassungslos, aber ich freute mich umso mehr, dass mir jemand so freudig einen Teil meiner Arbeit abnehmen wollte. Und nur zwei Stunden später erhielt ich einen Stapel säuberlich sortierter Informationen, die schon mal der vielversprechend aussahen. Also die Stapel, denn zum Öffnen komme ich jetzt nicht. Das muss jetzt warten. "Wusstest du, dass es einen Fanclub für dein Küchenregal auf facebook gibt?" fiel eine andere Freundin heute mitten in meinen Arbeitsfluss, der damit spontan vorbei war. "Wie, ein Fanclub für mein Küchenregal?!" meinte ich mit leerem Gesichtsaudruck. "Frag mich nicht, aber offenbar finden einige Leute dein Küchenregal einfach kultig, so sortiert und gut bestückt. Sie fragen an, was das alles für Kochbücher sind, die du da in hinter die Dosen geklemmt hast und ob das deutsche Bücher sind!" Womit sich manche Leute beschäftigten, fiel mir dazu nur ein, und das war's dann auch wieder. Das ergab doch alles überhaupt keinen Sinn, ich kümmerte mich lieber wieder um die wichtigen Sachen. Zum Beispiel noch mal meinen Lebenslauf an die Stelle schicken, die mich als "kulturlinguistischen Mediator" in die engere Wahl genommen hat, was auch immer sich dahinter für eine Tätigkeit verstecken soll. Lebenslauf verschickt und mit ihm die Hoffnung, dass es nichts ist, was jetzt gleich greifen wird, denn das bekomme ich zeitlich gar nicht unter. Ob ich Lifestyle-Sponsoren für Italien gefunden hätte, schrieb ein Magazin-Herausgeber, dessen Mail ich beim Schicken der anderen Mail fand. Darauf antwortete ich jetzt einfach mal nicht, das musste jetzt warten. Ebenso wie ich warten musste, dass die Nachbarin endlich ihre Briefe abholte. Aber nichts. Den ganzen Tag kam niemand vorbei, also werde ich morgen sehen, dass ich selbst den Stapel zum Haus bringe, wo auch immer das genau gelegen war. Unser Hundetrainer rief dann noch an um mitzuteilen, dass er jetzt wieder Zeit hätte - was mich freute für ihn, aber nicht für uns, denn ich habe gerade keine Zeit und wir brauchen erst das neue Auto - irgendwann am Wochenende zwischen Deadline für meine Übersetzung, der Rückkehr meiner besseren Hälfte vom Konzert in Rimini und dem Besuch in der Gemeindeverwaltung für meine Residenza. Ich kann es kaum erwarten, dass endlich Wochenende ist! Und dann traf meine Schwiegermutter noch den Nagel auf den Kopf, als sie heute zur Abendessenszeit noch eben durchklingelte und mitleidig fragte "Du Arme, was tust du eigentlich so den ganzen Tag da draußen alleine...du musst vor Langeweile ja eingegangen sein." Tja...was soll man sagen...


2 comments:

  1. Ich kann das verstehen, ich bin auch ein Fan von deinem Küchenregal. Ich wollt immer schon anfragen ob du mal bei mir vorbeischauen kannst, denn mein Regal hätte so eine Ordnung bitter nötig. Auch wenn ich nicht so viele schöne Gefäße habe wie du :)
    Liebe Grüße
    Bea

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  2. ahahah ihr seid total verrückt! :D

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