Saturday, January 4, 2014

Eingeigelt mit Kastanien...

Bisher war mir die Toskana nie als besonders gemütlicher Ort erschienen. Aber heute hatten wir ein Wetter, das sich gewaschen hatte - und uns fast gewaschen hätte sozusagen. Ein Dauerregen, der mit einem tief dunkelgrauen Himmel einherging, dass man das Gefühl hatte, man wäre völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Kann gruselig erscheinen, muss aber nicht. Denn Ludwig und ich haben es uns wie in einer Höhle gemütlich gemacht. Mit Stehlampenlicht den ganzen Tag über und Fensterläden, die gegen die Hauswände geschlagen wurden. Winterlich pfiff der Wind uns Haus und der Regen prasselte gegen die Scheiben. Was bot sich da mehr an als drinnen zu bleiben! Nur Ludwig rannte zweimal aus biologischen Gründen in den Garten und kam innerhalb einer Minute wieder ins Haus gerannt. Ansonsten haben wir uns weder angezogen noch fertig gemacht, wir sind einfach wie wir waren geblieben. Und nach zwei sehr arbeitsreichen Tagen überwog passend zum Wetter dann heute auch die Faulheit. Zeitung lesen, kochen, Emails lesen, telefonieren, ein bisschen hier und da und das wars. Und mir fiel eine Frage ein, die mir jetzt mehrfach gestellt worden ist, und die auch zum Wetter passt: und zwar die Frage nach der umfangreichen Verwendung der Esskastanie hier. Ich gebs zu, ich habe vor Italien eigentlich keine Kastanien gegessen. Nicht nur eigentlich, sondern mit ziemlicher Gewissheit nicht. Aber die Kastanie in dieser Region ist fast schon ein Grundnahrungsmittel. Im zweiten Weltkrieg haben all diese Städte und Dörfer nur durch die Kastanie überhaupt überlebt. Und dementsprechend viel Verwendung gibt es seitdem. Ich kenne die Kastanie gekocht und roh und getrocknet und geröstet. Gekocht mag ich sie am liebsten, roh darf man nicht zu viel davon essen und getrocknet hat sie was von einer Nuss, die man so als Knabberzeug isst. Ähnlich auch im gerösteten Zustand, wobei hier der Geschmack so ganz anders zu sein scheint als in den anderen Zuständen und damit auch die am wenigsten beliebte Variante für mich ist. Aber Geschmäcker sind natürlich sehr verschieden, und ebenso war ich etwas enttäuscht als ich anfing Gerichte mit der Kastanie zu essen. Nicht solche Gerichte, die die Kastanie im Ganzen verarbeiten, z.B. koche ich sehr gerne ein Pastagericht mit Kastanien, Thymian und Steinpilzen und ich habe mal ein sehr leckeres Gericht gegessen, bei dem Kastanienstückchen auf einem Stück Fleisch als eine Art Panade serviert waren. Aber ich finde z.B. die Kastanienfladen an Santa Lucia eher unspektakulär, um nicht zu sagen enttäuschend, wenn man den Geschmack von Kastanien als solche kennt. Und ich kenne einen Kastanienkuchen, castagnaccio hier genannt, den ich geschmacklich recht gewöhnungsbedürftig finde. Keine Ahnung weshalb Kastanienmehl als Zutat so ganz anders zu schmecken scheint als die ursprüngliche Kastanie. Wer noch nie Kastanien probiert hat, dem kann ich nur raten es mal zu probieren. Und wer nur die gerösteten Kastanien vom Weihnachtsmarkt kennt und diese nicht sonderlich mag, der sollte mal der gekochten Kastanie eine Chance geben. In vielen Supermärkten werden verschweißte Packungen angeboten, die man nur noch kurz in kochendes Wasser legen muss. Und diese schmecken ziemlich 1:1 wie die frisch gekochten Kastanien hier...


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