Wednesday, January 1, 2014

Buon Anno Nuovo...

Sind alle sicher im neuen Jahr angekommen? Die ersten 24 Stunden sind nun fast schon wieder um, die Zeit verrinnt so schnell wie letztes Jahr! Aber ob sich auch die Kalorien so schnell verbrennen lassen? Wir haben hier jedenfalls ziemlichen Bedarf genau daran, denn gestern wurde gegessen was das Zeug hält. Zunächst eine Pizza im Restaurant, später noch Pasta mit Meeresfrüchten, Pastete mit Linsen (letztere sollen finanziellen Segen bescheren!), Pandoro in zwei verschiedenen Ausführungen, und lauter Finger Food, darunter eingelegte Würstchen, verschiedene Sorten Oliven (von denen ich absolut die Finger lasse!), Sardellen, Häppchen mit Lachs, getrocknete Kastanien und Feigen und das allerbeste: Datteln mit Stracchino und Walnuss. Was so unspektakulär aussieht und klingt, ist geschmacklich sowas von zum Niederknien, ich wundere mich jedes Silvester aufs Neue wieder! Ich könnte mich da hinein legen! Und es muss eine regionale Besonderheit sein, denn als letztes Silvester Freunde aus Florenz hier waren, machten diese große Augen, als wir mit diesem Appetizer ankamen - und liebten es von Anfang an, genau wie ich.
Sehr gesättigt wollten wir gegen 2 ins Bett gehen, aber die Nacht bei meinen Schwiegereltern im historischen Zentrum der Stadt wollte uns nicht so recht schlafen lassen. Von der rund hundert Meter entfernten Piazza dröhnte ein Techno-Lärm in einer Lautstärke, die mindestens Konzertausmaße annahm. Eine Zumutung! Und je später der Abend, desto lauter wurde es. Sogar die Fenster bebten unter den Bässen. Um 2:30 schließlich rief meine bessere Hälfte aus dem Bett die Carabinieri an. Ich hörte ein sonores "Emergenza, carabinieri" vage aus dem Hörer und meine bessere Hälfte wollte loslegen. Doch kaum angefangen mit seiner Klage, hörte ich ein gut fünfminütiges Geschrei am anderen Ende der Leitung, das ich inhaltlich nicht verstehen konnte, aber der Klang war eindeutig. Der Carabiniere platzte vor Wut und brachte dies langanhaltend zum Ausdruck. Was war bloß geschehen? Meine bessere Hälfte kam kaum zu Wort. Als er auflegte, wurde mir endlich mitgeteilt, was gesagt worden war. Offenbar hatten bis dato bereits rund 120 Anwohner aus dem Umkreis die Carabinieri gerufen und die Nerven lagen dort blank. Sie hätten alle Hände voll zu tun mit Einbruchsmeldungen und betrunkenen Personen, die irgendwo randalieren und was die Musik angeht, so hätten sie alles versucht, sie wären vor Ort gewesen und hätten eine Erlaubnis des Bürgermeisters vorgefunden, der den angrenzenden Bars erlaubt hätte bis 4 Uhr morgens - man bedenke VIER UHR - laut Musik zu spielen und die Carabinieri hätten dagegen nichts tun können. Nun, sie hatten die Barbesitzer GEBETEN, zumindest die Lautstärke herunterzuschrauben, aber sie waren nur ausgelacht worden. Bis 4 Uhr seien ihnen die Hände gebunden und sie wären unterbesetzt und kurz vor der Hysterie. Offenbar hatte der Carabiniere am Telefon diese Grenze bereits überschritten. Hysterisch hatte er geschrien, dass das alles die Schuld des neuen "sindaco di merda" (scheiß Bürgermeister) sei, der ohne Hirn eine solche illegale Erlaubnis erteilt hatte, denn es gäbe Gesetze darüber hinaus, die man jetzt nur auf dem juristischen Weg einfordern könnte, aber das ginge nicht über Nacht. Und die Leute vor Ort in den Bars sei besoffenes und ungehobeltes Volk, denen sämtliche Konsequenzen egal seien und sie wollten sich jetzt gar nicht ausmalen, was in der Nacht noch passieren könnte, immerhin waren auf ebendieser Piazza nur wenige Tage zuvor zwei Männer erstochen worden und sie rechneten jetzt gerade noch damit, dass bei dieser unglaublichen Lautstärke irgendwelche Anwohner völlig ausrasten und bewaffnet in die Bars gehen und anfangen dort weitere Leute abzustechen. Und wenn es wenigstens Musik wäre, aber nein auch noch derart unerträgliche "musica del cazzo" (Scheißmusik). Das Jahr hatte für offenbar für diese arme Polizeischicht recht schlecht begonnen und die Nacht war noch nicht vorbei. Wir saßen aufrecht im Bett und warteten halbwegs geduldig bis 4 Uhr morgens, als meine bessere Hälfte meinte, er würde raus gehen und schauen welche Bar die schuldige sei, denn der Carabiniere hatte geraten Anzeige zu erstatten. Ich war ja dagegen, dass er da hinunter ging und wartete endlose, vielleicht zehn Minuten, am Fenster, ehe er wieder die Gasse hochgelaufen kam. Ludwig hing mit klopfendem Herzen vor mir am Fenster und wusste gar nicht, was überhaupt los war. Feuerwerk und Kanonenschläge hatten ihn völlig kalt gelassen, aber dass noch einer von uns mitten in der Nacht das Haus verließ, das versetzte ihn in Panik. Der ohrenbetäubende Lärm endete genau um 4:10 und in der Zwischenzeit sahen wir mehrfach Polizeiwagen die Straße hinunter fahren. Mal sehen, was sich in der Sache noch ergeben wird. Der erste Aufreger des Jahres hatte es zumindest schon mal in sich...


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