Friday, December 6, 2013

Was ich gelernt habe...

Man darf nicht dem Drang folgen vollkommen in die Negativität angesichts der aktuellen Situation des Landes zu verfallen. Wenn man zu viele Kommentare liest, sich umhört im Familien- und Freundeskreis, Arbeitslosenzahlen sieht und die Nachrichten schaut, dann bleibt einem nichts anderes übrig als davon auszugehen, dass das Land dem baldigen Untergang geweiht ist. Und dann ist man so gelähmt, dass man selbst nichts mehr tun kann und tun will. Und dann bewegt sich auch nichts mehr. Leichter gesagt als getan, aber mir ist wichtig die Hoffnung nicht zu verlieren. Ok, Hoffnung ist im Grunde ein Begriff, der so viel Passivität ausdrückt und sich rein auf das Erwarten eines Wunders stützt, aber sagen wir es so, der Einzelne kann hier ja auch nicht mehr viel ausrichten. Es bleibt abzuwarten, was nun geschehen wird. Also bleibt eben doch nur noch die Hoffnung auf ein Wunder, oder besser gesagt, darauf, dass sich die richtigen Kräfte rechtzeitig mobilisieren und in eine sinnvolle Richtung leiten lassen. Warten wir auf Beginn und Ende einer längst überfälligen Revolution und dann auf die magische Phase des Wiederaufbaus, der immer so viele Chancen und neue Möglichkeiten mit sich bringt. Dies muss aber geschehen, ehe der Tod des Landes eintritt. Und Tod in diesem Fall hieße, dass sämtliche Jugend das Land verlassen hat und auch nicht zurückkehren wird. Vor einer Woche in Genua auf dem V-Day sagte Grillo: "Voi non dovete più andarvene da questo paese, dovete rimanere qui! Non dovete emigrare, dovete cospirare!" (dt: "Ihr dürft nicht länger das Land verlassen, ihr müsst hierbleiben! Nicht auswandern, sondern konspirieren!") Natürlich siegt vielfach die Angst über die Wut und die Chance im Ausland Geld zu verdienen um die hier gebliebene Verwandtschaft zu unterstützen erscheint vielen attraktiver, als um den Erhalt des Landes in einer langen Revolution zu kämpfen, ohne Gewissheit, dass es auch funktionieren wird, woran da gearbeitet wird. Aber natürlich stimmt auch, dass je mehr Jugend (und das sind vielfach Akademiker in diesem Fall) das Land verlässt, desto weniger können an einem neuen Italien arbeiten und desto weniger wird zum Vorteil des gebeutelten Volkes geschehen. Eine Art Glücksspiel ist das. Setzen wir auf Sieg oder auf Niederlage des Landes? Ich sehe auch meine eigene Rolle darin. Setze ich meine lukrative Idee fort, Auswanderungswillige sprachlich aufs Ausland vorzubereiten und unterstütze damit die Emigration der Jugend und damit den Tod des Landes oder sage ich, dass ich meinen Teil dazu beitragen muss und darf nicht länger dabei helfen das Land von unten auszuhöhlen? Eigener Gewinn versus Gesamtgewinn. Am Ende geht es ja um ein Umdenken. "Ihr dürft das Land nicht verlassen", auch wenn es den Einzelnen retten würde. Wenn wir alle umdenken, können wir das Land retten. Oder rettet lieber jeder sein eigenes jämmerliches Leben und lässt das Gesamte zugrunde gehen? Wir werden es sehen...


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