Friday, November 15, 2013

Gruselnächte II

Die Nacht wurde nicht mehr besser, auch nicht, nachdem ich wirklich alles verriegelt hatte. Zu sehr hatte sich die offene Haustür mit dem vorherigen Alptraum gemischt und eine allgemeine Unsicherheit hinterlassen, was dazu führte, dass ich noch vor dem Wecker gegen halb 6 hellwach war und mir immer noch nicht im Klaren, ob alles tatsächlich noch einmal gut gegangen war. Ludwig und ich fuhren mit seinem Daddy zum Bahnhof, um ihm hinterher zu winken und dann den langen Fußweg nach Hause anzutreten. Das Auto wurde am Bahnhof stehen gelassen, und eigentlich ist es ja egal, wo wir unsere Gassitour antreten. Ich hoffte so früh am Morgen keiner Menschenseele zu begegnen, aber da kannte ich die Hundebesitzer schlecht. Wer arbeitete, der schleppte genauso früh am Morgen wie ich seinen Vierbeiner auf die Straßen, so dass wir alles andere als allein waren. Es lief aber alles gut, man ging sich gegenseitig aus dem Weg, bis auf einmal aus einem Garten durch ein Gebüsch eine Kreatur sprang, laut kläffend, ein mittelgroßer, schwarzer Hund, der um ein Haar seinem Gehege entwischt wäre. Er wollte sich in eine Beißerei mit Ludwig verwickeln lassen - und dieser hätte bereitwillig mitgemacht, hätte ich nicht einen großen Sprung zur Seite gemacht um über die Straße zu hetzen. Es ging noch einmal gut, aber so ein Schock am dunklen, frühen Morgen! Kaum zu Hause angelangt, beschlich mich wieder das ungute Gefühl, dass wir vielleicht nicht alleine waren. Gemeinsam mit Ludwig suchte ich alle Räume ab - alles außer dem Dachboden; die Tür wollte ich einfach nicht öffnen. Im Hellen war es nun besser, aber als ich anfing zu kochen, fiel mir ein, dass am Morgen auf einmal das Gas am Herd angestellt gewesen war, obwohl meine bessere Hälfte schwor, dass er nichts angefasst hatte. Dennoch strömte Gas merkbar in die Küche und der Knopf der linken hinteren Herdplatte war eindeutig nach links verschoben und Gas trat aus. Ich versicherte mich jetzt doppelt und dreifach, dass ich wirklich nichts angestellt hinterließ und behielt für die nächsten Stunden den Herd genau im Auge. Der Rest des Tages verlief unproblematisch, bis auf die Tatsache, dass die Temperatur spontan zu schwanken schien. Bei angekündigten 20 Grad war eigentlich auch keine Kühle zu erwarten gewesen. Und dennoch wurde mir mittendrin kalt. Zur Dinnerzeit hatte mich Ludwig weichgekocht und so sind wir noch einmal hinausgegangen. Die Nerven lagen wohl inzwischen so blank, dass ich ständig glaubte, im Augenwinkel Bewegungen wahrzunehmen. Eingebildete Menschen im Dunkel stellten sich als Straßenschilder heraus und seltsame Geräusche blieben einmalig. Wieder im Haus verrammelte ich diesmal aber wirklich alles und fing an es mir mit Ludwig gemütlich zu machen. Feuer im Kamin und ein Glas Wein, dazu Spaßiges im TV - völlig mein Ding, aber nicht Ludwigs. Der zog es vor am dunklen, offenen Fenster Leuten mit kleinen Hunden auf der Straße aufzulauern um dann aus heiterem Himmel ein Gebell im Löwenstil anzustimmen, so dass die Leute in völliger Panik stehenblieben und paralysiert nach oben zum Fenster starrten, wo Ludwig sich zur vollen Größe aufrichtete und auf und ab sprang, was die Leute auf der Straße veranlasste schnell die Flucht zu ergreifen. Ein wenig gefiel mir ja diese haarige Rache für all den Grusel, den wir selbst in den letzten Stunden durchgemacht hatten, und der jetzt endlich ausgestanden war. Tatsächlich? Was ich aktuell nicht verstehe, ist, wieso es hier mitten im Wohnzimmer auf einmal nach Erbrochenem riecht...


No comments:

Post a Comment