Wednesday, October 9, 2013

Und täglich grüßen die Katastrophen II

Ludwig war unglaublich brav und muckte auch erst auf, als man feststellte, dass irgendwas mit seinem Gedärm nicht stimmt. Er sollte ein Medikament nehmen und dann sollten wir ein Häufchen vorbeibringen, und das würden sie dann untersuchen und wenn es nicht besser würde, würden sie röntgen. Sprachs und verschwand mit ihrem Kollegen hinter eine verschlossene Tür, die Dottoressa. Als sie wieder hervorkamen, meinten sie und ihr Kollege, dass sie überlegt haben, dass ihnen das Risiko zu hoch ist. Sie würden uns anbieten für 50€ auch noch das Röntgen jetzt zu machen, denn bei so großen Hunden könnte es leicht vorkommen, dass das ganze Gedärm verschlungen ist und zu wissen, dass ich mit dem Hund alleine weit ab von Schuss bin, das würden sie lieber vermeiden. Aha! Also stimmte doch was nicht! Aber der Preis war unschlagbar - ich hörte später, dass man fürs Röntgen gut und gerne einen Hunni hinblättert und eine so schicke Praxis, wie diese hier, nahm vielleicht sogar noch höhere Preise. Wir hatten also wirkliche Tierliebhaber erwischt, denen das Geld offenbar wirklich egal war. Wir erneuerten unsere eingangs getätigte Aussage, dass wir auch alles andere zahlen können, nur eben nicht jetzt, sondern später am Tag, aber es war dem Team tatsächlich vollkommen egal. So bekam der unglückseelige Ludwig zum ersten Mal einen Maulkorb verpasst und wurde zum Röntgen getragen. Er benahm sich auch hier vorbildlich und rannte gute zwei Minuten später schon wieder auf uns zu. Wir sollten das Ergebnis betrachten: neben Haufenweise Trockenfutter und Pasta sah man absolut keinen Fremdkörper, wie z.B. Metall- oder Plastikstücke in seinem Inneren. Wohl aber Unmengen von Luft, die für den ganzen Ärger verantwortlich war. Und eine Entzündung im Darm. Und eventuell hatte er sich den Magen an irgendeinem Essen verdorben, aber da er nicht mit Erbrechen kämpfte, war das wohl nicht wirklich das Hauptproblem. Was waren wir erleichtert! Wir bekamen drei verschiedene Medikamente aufgeschrieben, darunter ein Antibiotikum und ziemlich guter Dinge zogen wir wieder von dannen. Wir machten mehrere Stopps bei verschiedenen Verwandten - so ist das wenn man mit der Schwiegermutter unterwegs ist - und dann holten wir auch noch alles in der Apotheke. Zumindest was da war: ein Medikament mussten wir bestellen, eines meinte meine Schwiegermutter hätte sie noch daheim und das dritte war vorrätig. Dann trennten sich unsere Wege und ich sollte noch schnell bei meinem Schwiegervater vorbei um das zweite Medikament abzuholen. Es stellte sich jedoch heraus, dass es nicht mehr da war, wo es mal gestanden hatte und irgendwann brachen wir die Suche ab. Ich wollte nur noch nach Hause. Aus dem "höchtens 2 Stunden"-Trip war bereits ein 6-Stunden-Trip geworden und ich hatte einen kranken Hund dabei. Wir machten uns also auf den inzwischen beschwerlichen Heimweg von einer weiteren halben Stunde, durch eine Stadt voller Hunde und bepackt mit einer großen Tasche voller Sachen von meinen Schwiegereltern und als wir im Schweiße unsere Angesichts die letzten Meter bergauf zurückgelegt hatten, schworen Ludwig und ich uns, dass wir heute keinen Fuß mehr vor die Tür setzen würden! Meine bessere Hälfte kam gegen 21 Uhr, ich würde Salat machen - ach Mist, ich hatte ja frisches Brot backen wollen, aber der Nachmittag war irgendwie anders verlaufen als geplant - also würde es irgendetwas Warmes geben. Gesagt, getan, bis ich gegen 20:30 einen weiteren Anruf bekam: "Mein Fahrrad ist gerade unter mir zusammengebrochen - ich laufe jetzt heim. Kannst du mich irgendwo abholen??" - Abholen? Wo das Auto in der Werkstatt ist? "Nimm das andere Auto, das ohne Zulassung! Der Schlüssel hängt im Schlüsselkasten." Oddio, oddio, was sollte ich nur tun. Ich lief wie ein Wiesel durchs Haus, dann stellte ich entschlossen den Herd aus, auf dem bereits Hühnchen und Pastawasser vor sich hinbrodelten, nahm meine Brille und die zweiten Autoschlüssel und einen völlig aufgeregten Ludwig mit nach draußen. Das würde niemals gut gehen! Ich hatte weder jemals das Auto aus dem Innenhof rückwärts gefahren, noch das ganze im Dunkeln gemacht, ein Seitenspiegel fehlte und allen voran war das Auto nicht zugelassen. Mutig startete ich den Motor, sah im Rückspiegel, wie Ludwig zentral auf der Rückbank saß und mir fast die letzte Sicht nahm. Er bewegte sich auch keinStückchen weg, dennoch legte ich den Rückwärtsgang ein und zuckelte Zentimeter um Zentimeter aus dem Hof, durch das Doppeltor und über eine Schranke auf die Straße. Ich rammte weder ein dort geparktes Auto, noch einen der Pfeiler, was normalerweise für mich auch kein Thema ist, aber ich war dieses Auto noch nie gefahren, es war dunkel und das Auto ist ungewöhnlich lang. Das Tor schloss ich nicht mehr, zu erleichtert war ich, dass ich ohne Vorkommnisse auf die Straße gekommen war - rückwärts. Entschlossen wechselte ich in die Vorwärtsgänge und schoss die Serpentinen hinunter. Natürlich piano piano, zumal ich auch Ausschau halten musste nach einer gereizten Figur in schwarzer Lederjacke mit einem kaputten Fahrrad. Und wir hatten Glück - ich traf ihn genau auf der Höhe eines Parkplatzes, wo ich halten konnte, ehe wir wieder zurück fuhren. Das Essen auf dem Herd wurde wieder angestellt, Ludwig nahm sein erstes Antobiotikum ein, mit einem Stück Hühnchen umwickelt und so fand dieser Tag endlich einen guten Abschluss. Und um es noch richtig nett zu machen, gönnen wir uns jetzt noch einen Film mit Popcorn...im Bett... :)


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