Wednesday, October 2, 2013

Mission Torino V

Sonntag 22 Uhr: Jetzt kommt der Schaffner ja doch! Er steckt seinen Kopf hinein ins Abteil und fragt mich, ob wir schon kontrolliert worden wären. "Ja" sage ich. "Bene" antwortet er. Die drei Amerikanerinnen strecken ihm ihre Tickets entgegen. Sie wollen noch bis nach Florenz, verstehen aber kein Wort von dem, was zu ihnen gesagt wird. 

Sonntag 22:30: Ich bin angekommen! Mir scheint für einen Augenblick, dass der Zug gar nicht halten will und gerate schon in leichte Panik. Aber nein, er hält. Es ist feucht und frisch draußen, regnet aber immerhin nicht. Jetzt muss nur noch mein Fahrrad da sein und fahrtüchtig. Im Dunkeln kann ich lange nichts sehen, aber schließlich habe ich volle Sicht auf die Fahrradständer. Da steht es! Der Sattel ist wieder nass, aber alles ist gut. Ich beeile mich mit der Kette, die für meinen Geschmack viel zu umständlich gelöst werden muss und klemme eine Tasche auf den Gepäckträger. Und jetzt auf in den Verkehr! Die Strecke zu meinen Schwiegereltern schaffe ich in 10 Minuten und alle Müdigkeit ist dahin. Mit Pulli, Jacke und 2 Taschen gerate ich auch zur nächtlichen Stunde ordentlich ins Schwitzen. Ich habs geschafft. Fast schon stolz klingle ich schließlich an der Portone - die Hunde bellen sofort.

Sonntag 23 Uhr: Ich trinke einen Pfefferminztee in der Küche mit meiner Schwiegermutter und gebe alle Updates, die ich nennen kann. Meine bessere Hälfte schreibt mir aus Turin. Ludwig war völlig ausgerastet, hatte hysterisch geschrien, als ich die Treppe hochgekommen war. Inzwischen hat er sich beruhigt und ist glücklich, dass wieder jemand seiner Familie da ist. Dabei war er früher auch immer bei der Nonna glücklich gewesen, inzwischen will er ausschließlich seine Eltern als Familie akzeptieren.

Montag 1 Uhr: Endlich im Bett. Was für ein Tag. Ich lese noch ein paar Seiten in einem Schmalzroman, während sich die beiden Hunde um die besten Plätze im Schlafzimmer streiten und dann endlich nachholen, was die letzte Nacht nicht hergegeben hat. Ich bekomme nicht einmal mit, dass einer der beiden Hunde im Wohnzimmer ein Durchfallproblem hat.

Montag 9 Uhr: Nur noch die Hunde sind da, meine Schwiegereltern sind beide ausgeflogen. Ich mache mir erstmal einen Tee.

Montag 12 Uhr: Was für ein Hunger! Seit der Calzone habe ich nichts mehr in den Magen bekommen und ich freue mich, dass man hier so früh zu Mittag isst. Doch Essen macht irgendwie auch müde. 

Montag 13 Uhr: Meine Schwiegereltern ruhen sich aus und ich will mich auch nur ganz kurz aufs Bett legen. Ich träume wirres Zeug zusammen und wache pünktlich um 16 Uhr wieder auf! Jetzt aber nach Hause! Ich lasse mein Fahrrad zurück und mache mich mit zwei Taschen und Ludwig zu Fuß auf den Heimweg. Leider habe ich auch mein Laptopladegerät zurückgelassen, aber das merke ich erst, als ich das gute Teil daheim auspacken will. 30 Minuten dauert der Fußweg und Gott sei Dank begegnen wir keinem anderen Hund. Es ist wieder sonnig und heiß.

Montag 17 Uhr: Mission Torino ist beendet. Ich stelle mich dem Chaos, das wir zurückgelassen haben und nehme mir vor alles piano piano anzugehen. Ohne Laptopladegerät auch kein Laptop, auch kein Internet. Ich fühle mich von der Außenwelt abgeschnitten, aber dennoch guter Dinge. Jetzt bloß keine Hektik mehr, morgen ist auch noch ein Tag!


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