Wednesday, October 2, 2013

Mission Torino III

Sonntag 11 Uhr: ich komme pünktlich in Turin an. Mein Agent Roberto holt mich vom Bahnhof ab und verkündet, dass wir diesmal richtig typisches Turiner Wetter haben - um nicht zu sagen englisches Wetter. Wir werfen uns in den dichten Verkehr und lassen einen Regenschauer nach dem anderen über uns ergehen, ehe wir vor dem großen Bürogebäude mit bunkerartigem Einlass angekommen sind. Ich begrüße schnell den Rest der Crew, dann wird die Technik getestet. Die Schüler - diesmal alle älter als ich - kommen überpünktlich und machen mich deswegen leicht nervös. Interessiert sehen sie beim Aufbau zu und nehmen schon mal am großen Konferenztisch erwartungsvoll Platz. Was denn, diesmal rennen sie nicht nochmal los, um in der Bar um die Ecke einen Kaffee zu trinken? Wie unitalienisch ist denn diese Truppe??!

Sonntag 12 Uhr: wir starten pünktlich und bis auf einen Tonausfall klappt auch die Technik erstaunlich prima. So kann es weitergehen. Erstaunlicherweise ist inzwischen auch sowohl meine Übelkeit als auch mein fiebriges Gefühl weg und ich komme so richtig in Fahrt. Hier und da fange ich sogar an die Professionalität über Bord zu werfen und mich zu amüsieren. Dass man auch so unterrichten kann...erzähl das mal den armen Idioten, die noch in den Schulen ihr Sklavendasein fristen...

Sonntag 14 Uhr: wir haben den ersten Teil perfekt getimed abgeschlossen. Jetzt geht es zu Mittagessen! Die Crew, meine Kursteilnehmer und ich alle zusammen. In ein schickes italienisches Restaurant und jetzt herrscht Sprachenchaos. Fälschlicherweise nehmen einige sogar an, ich könnte gar kein Italienisch. Irgendwer spricht mich auf Deutsch an - ab da wirds dann ganz chaotisch. Die Calzone schmeckt sehr lecker, ist aber wie immer viel zu viel. "Habt ihr heute Abend ein Konzert?" fragt der Kellner. "Nee," meinen zwei meiner "Schüler". Heute haben wir Englischunterricht. Das da ist unsere Lehrerin.

Sonntag 15:30: wir hätten längst mit dem zweiten Teil starten sollen, aber die Müdigkeit lässt uns kaum in Fahrt kommen. Jetzt muss erstmal der Kaffee her und dann etwas Disziplin. Durch die verlorene halbe Stunde ist es 100% Improvisation angesagt, aber das geht ganz gut. Ich wundere mich teils selbst, wie ich da das Geschehen koordiniere und wie die Gruppe jegliche Kritikpunkte ohne Zögern annimmt. Erzähl das mal den Lehrern, die die klassische Variante unterrichten...

No comments:

Post a Comment