Tuesday, October 1, 2013

Mission Torino II

Sonntag 7 Uhr: Ich habe den Bahnhof in Sicht und ausreichend Zeit um mein Fahrrad gut unterzustellen. Ich finde eine Reihe von anderen Rädern vor einer Mauer und kette meines um einen Laternenmast. Hoffentlich ist es am Abend noch da; meine bessere Hälfte bekam bereits 2 Räder von Zigeunern geklaut. Fast schon stolz eile ich ins Bahnhofsgebäude und versuche zu ignorieren, dass der nasse Fahrradsattel seine Spuren an mir hinterlassen hat. Ich ziehe mir einen Müsliriegel und eine Flasche Wasser am Bahnsteigautomaten und freue mich auf den pünktlich eintreffenden InterCity nach Genua.

Sonntag 8 Uhr: Der Großraumwagen ist warm und gemütlich. Lauter Pendler sitzen hier, auch Studenten und erstaunlich viele Ausländer, darunter Deutsche, Schweizer und Araber. Habe keine große Lust, aber ich muss dennoch noch einmal über meinen Vortrag lesen und alles zurechtlegen. Mit einem Auge sehe ich wie draußen auf der Höhe von La Spezia das aufgepeitschte Meer mit voller Wucht gegen die Felsen schlägt. Einige Passagiere kommentieren das mit Aaah und Oooh-Rufen.

Sonntag 9 Uhr: Ich bin in Genua und habe fast alles vorbereitet. Jetzt muss ein RedBull her und ein Schokoriegel oder ich mache gleich völlig schlapp. Ich freue mich auf meine Sitzplatzreservierung in der Ersten Klasse und staune nicht schlecht, als der ganze Wagen vollkommen heruntergekommen ist. Die Sitze sind grau und abgenutzt, der Linoliumboden wölbt sich einem entgegen. Von der Toilette will ich gar nicht erst anfangen. Wenn das schon die Erste Klasse ist, wie mag dann wohl die Zweite aussehen?! Der Schaffner wirft einige Schwarze ohne Ticket aus dem Zug und ich konzentriere mich auf meine letzten Seiten Vorbereitung.

Sonntag 10 Uhr: Wir haben die Küste hinter uns gelassen und tuckern mit Volldampf gen Norden. Draußen ist alles grau in grau. "Che tempo di merda" kommentiert eine Mitfahrerin in meinem Abteil und ich nicke zustimmend. Aber nicht nur das Wetter - irgendwas braut sich auch in mir zusammen, eine Übelkeit oder Fieber oder irgendetwas. Gar nicht gut. Ich schlucke eine Paracetamol und konzentriere mich auf die schönen Dinge. Jetzt wird mir auch noch kalt. Das kann ja heiter werden! Völlig übermüdet noch dazu weiß ich gar nicht, was in diesem Moment eigentlich das Hauptproblem ist. Meine bessere Hälfte klingelt durch. Ihnen flog gerade bei einem hurricaneartigen Sturm alles um die Ohren. Was ist denn heute bloß los??


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