Friday, October 4, 2013

Intrappolata V

Aber wir hatten die Rechnung ohne Hund Claretta gemacht. Immer wenn einer von uns im Gästezimmer schläft, schläft sie grundsätzlich auf der anderen Bettseite und weicht auch keinen Zentimeter von der Seite. Jetzt waren aber beide Betten belegt und das stört einen störrischen Hund wie Claretta überhaupt nicht. Sie warf sich extra auf die Laken, um möglichst schwer zu sein und nicht wegtransportiert werden zu können, denn sie wusste genau, dass sie unerwünscht war. Manche Hunde schlafen zwar auch im Bett, aber dann am Fußende oder irgendwo, wo es nicht weiter auffällt, aber Claretta wirft sich mit voller Absicht immer in die Mitte und bleibt dann da, egal was kommt. Nach mehrfachem Ziehen gaben wir auf. Als wir zur Abwechslung versuchten sie einfach zu ignorieren, fing sie das entsetzlich nervige Verhalten an uns zu bespringen als wär sie ein Rüde. Da war's ihr auch egal, wer das unter ihr war oder ob wir uns belästigt fühlten oder nicht oder ob sie sich gerade wie ein Mann aufführte oder nicht - irgendwann blieb nur noch der Rauswurf aus dem Zimmer, wobei wir mehrere Anläufe hatten, ehe der richtige Hund draußen und der richtige drin war, denn Ludwig wollten wir im Zimmer haben, weil er nichts anstellt und außerdem eh immer bei uns im Zimmer schläft und dann nicht verstanden hätte, warum er ausgesperrt wird. Aber auch Claretta verstand es nicht. Als sie erkannte, dass sie nicht ins Zimmer sollte, weil sie nur belästigt, entschied sie wohl, dass sie sich Einlass verschaffen würde, egal wie. Ab da machte sie Anstalten die Tür zu zerlegen, indem sie sich dagegen warf, daran kratzte oder das Holz mit den Zähnen bearbeitete. Ich hoffte, dass meine Schwiegereltern das hören und sie zu sich holen würden, aber nichts dergleichen geschah. Nachts um 2 rastete meine bessere Hälfte schließlich vollkommen aus und trieb sie laut schreiend und mit einem Handtuch wedelnd von der Tür weg, die er dann so fest ins Schloss warf, dass sie danach erstmal klemmte. Im Rahmen dieser Geschichte hatte auch Ludwig das Zimmer wieder verlassen und blieb damit ausgesperrt. Gut eine Stunde gab Claretta Ruhe, dann fing sie von vorne an. Diesmal ging ich an die Tür, aber anstatt sich verjagen zu lassen, kam sie ins Zimmer gerannt und sprang mit Anlauf aufs Bett. Sie leckte uns komplett ab und warf sich erneut in die Mitte, ehe sie wieder begann uns wie eine Verrückte zu bespringen. Es hatte sich überhaupt nichts geändert und die Nerven lagen bereits völlig blank. Um es zu toppen hatte Claretta sogar eine Pfütze auf dem Boden hinterlassen und als schließlich schon der Morgen graute, kamen endlich meine Schwiegereltern hervor und nahmen ihren Hund an sich, inklusive Pfütze auf dem Boden. "Nie wieder lass ich mich überreden hier zu schlafen" knurrte meine bessere Hälfte mir zu und wir waren einstimmig der Meinung, dass diese Nacht eine einzige Katastrophe war. Um 7 Uhr morgens stand für ihn dann wieder der Zug auf dem Programm, während ich weiter schlief und dann natürlich wieder Claretta neben mir fand, kaum dass mein Wecker um 9 klingelte. Jetzt aber nichts wie ab nach Hause - und dort einbunkern, schwor ich mir. Gegen 12 Uhr mittags war das dann auch endlich der Fall und Ludwig und ich konnten unseren kurzen Ausflug zum Supermarkt endlich abschließen...nach 23 Stunden...


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