Friday, October 4, 2013

Intrappolata IV

"War's sehr schlimm?" fragte mich meine Schwiegermutter, als wir wieder auf dem Rückweg waren. "Aber nein, es war sehr interessant", erwiderte ich ehrlich, insbesondere aus kulturellen Gründen, wobei ich weniger die künstlerischen Aspekte meinte als dieses volle italienische Leben, in das man mal wieder kopfüber eingetaucht war. Und man hatte mich ja wirklich sehr freundlich aufgenommen. "Was meinst du, wollen wir jetzt eine Pizza essen?" Ich hatte eigentlich wirklich keinen Hunger, aber ein Stück Pizza ginge immer, meinte meine Schwiegermutter und oben drauf ließ sie noch eine Schicht Pizza aus Kichererbsenmehl, auch CALDA CALDA genannt, legen. Und während ich noch am Rand der Pizzeria to go wartete, hörte ich wie meine Schwiegermutter auf den Pizzaboy einredete und auch den Satz "Das da hinten ist meine Schwiegertochter!" Konnte sie denn wirklich nie die Leute in Ruhe arbeiten lassen?! "Ich weiß", meinte der Pizzaboy und ich weiß nicht, ob er das wirklich wusste, oder einfach nur das Gespräch beenden wollte, aber es war eindeutig für alle ein langer Tag. Und er war noch nicht zu Ende!
Es dauerte noch eine halbe Stunde, bis wir endlich wieder vor dem Haus meiner Schwiegereltern standen und mir war schmerzlich bewusst, dass es jetzt wirklich zu spät war, um noch einmal nach Hause zu laufen und später wiederzukommen. Aber dann mussten jetzt immerhin die Hunde raus und damit war der nächste Marsch durch die Stadt angesagt. Weil Ludwig aber eindeutig mehr Bewegung braucht, habe ich mich irgendwann mit ihm abgespalten und noch einen Umweg gemacht, bis wir auf einmal vor einem freilaufenden Boxer standen und ich Ludwig schnell packte und mit ihm weg lief, ehe es Probleme geben konnte. In einer schmalen Gasse standen wir aber auf einmal vor einem weiteren freilaufenden Hund und ich dachte schon, jetzt würde das Chaos losbrechen. "Guarda babbo, che bello, il cane" meinte ein Kind hinter dem Hund zu seinem Vater. "Das ist Ludwig", antwortete da der Vater und ich dachte noch, dass Ludwig wirklich bekannt wie ein bunter Hund ist, auch wenn er nicht bunt ist. "Ja, das stimmt", meinte ich verblüfft. Der Vater des Kindes gab mir die Hand. "Ich kenn dich, ich bin Luca, wir sind Freunde auf facebook!" Achhhhh, nie gesehen den guten Mann, aber er stellte sich als alter Freund meiner besseren Hälfte heraus und sehr freundlich noch obendrein und wie ich später erkannte, sind wir wirklich Freunde auf facebook. In einer kleinen Stadt ist man dann eben doch nicht so anonym wie man immer denkt und ich hatte jetzt wirklich das Bedürfnis nach Rückzug in die eigenen vier Wände. Jetzt noch auf meine bessere Hälfte warten, essen und dann nichts wie nach Hause!
Dachte ich auch nur! "Ihr könnt natürlich hier auch schlafen", war der nächste Kommentar meiner Schwiegermutter. "Das wäre doch viel weniger Stress für euch! Schön in Ruhe essen, früh schlafen und morgen ist der Weg zum Bahnhof kürzer bzw. du kannst morgen ausgeschlafen mit Ludwig nach Hause gehen. Ist doch eigentlich viel praktischer, oder?" Nein! Nein nein nein! Ich hatte zum Supermarkt gewollt und dann wieder heim und das war schon alles ganz anders gelaufen bislang, dass ich unter keinen Umständen hier übernachten würde! Ich hatte ja auch nichts dabei. Meine bessere Hälfte musste uns jetzt befreien, sobald er kam. "Tut mir so leid, dass du gleich mit Beschlag belegt worden bist", meinte er kaum dass ich mich beschwert hatte, hinterrücks so in die Falle getappt zu sein. "Meine Mutter ist schrecklich hinterhältig bei solchen Dingen. Sie hat extra nichts am Telefon gesagt, weil du sonst wohl nicht gekommen wärst." - "Das beste weißt du ja noch gar nicht", warnte ich ihn vor "Sie hat vorgeschlagen, dass wir hier schlafen!" Argumentativ war da nichts zu erwidern, außer, dass ich außer einer Supermarkttasche voller Einkäufe nichts dabei hatte und so nahmen wir ermattet ein Drei-Gänge-Menü ein und zogen uns in das Gästezimmer zurück...


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