Friday, October 4, 2013

Intrappolata II

Meine Schwiegermutter war über Pasta Brisee gar nicht unglücklich, wie ich dann herausfand, aber was jetzt Pasta Frolla war, das musste ich erst im Internet nachschauen. Es scheint mehr oder minder dasselbe zu sein. Ich verteilte die Hundeknochen an die beiden pelosi, die ihren stattlichen Preis wert waren, denn beide Hunde waren sofort ruhig und verzogen sich jeder in eine andere Ecke zum Nagen zurück. "Würde es dir etwas ausmachen mir bei was zu helfen?" kam meine Schwiegermutter an. "Ich muss hier diese Zeitschriften aus der Redaktion zu den Schwestern bringen. Es geht auch schnell!" - Welche Schwestern, welche Zeitschriften? "Ah, wir bringen die ins Kloster?" - "Wieso ins Kloster? Am Wochenende ist doch ein befreundeter Maler gestorben. Die Zeitungen haben alle davon berichtet. Ich bekam aus irgendwelchen Gründen alle Magazine über ihn und seine Todesnachricht zugestellt, dabei sollen die doch zu seinen Schwestern ins Archiv. Begleitest du mich?" Was hätte ich auch sagen sollen... "Wir halten uns auch nicht lange auf. Ein paar Minuten, dann erfinden wir eine Ausrede und gehen." - "Also ein paar Minuten bei jeder Schwester?" - "Nee, zusammen. Die wohnen alle zusammen. Alte Jungfern sind das, die haben nie geheiratet." Und so zogen wir los - im Schleichtempo, weil meine Schwiegermutter nicht sonderlich gut zu Fuß ist. Ich hasse es da mit zu Leuten genommen zu werden, die ich nicht kenne, die ich meistens mit zwei Köpfen überrage und die mich dann entweder komplett ignorieren oder aber sehr neugierig beäugen und in Gespräche verwickeln, so dass ich mit rotem Kopf im Zentrum des Interesses sitze und mich sehr unwohl fühle. "Es ist dieses Haus, oder das nächste." sagte meine Schwiegermutter, als wir gute zehn Minuten Weg hinter uns gebracht hatten, wofür ich allein knappe zwei Minuten gebraucht hätte. "Schau mal ob du den Namen auf einer der Klingeln findest!" Am Haus 1 war nichts, aber am Haus 2 wurde ich fündig. Wir klingelten und warteten. Nichts. "Sind nicht da, oder? Also gehen wir wieder?" - "Aber nein, so schnell geben wir nicht auf. Lass uns mal etwas warten. Vielleicht haben sie sich hingelegt." Wir klingelten noch zweimal und warteten gute zehn Minuten auf eine Reaktion. Nichts. Fast hätten wir das Material einfach in den Hausflur gelegt und wären wieder gegangen. Da rief und winkte es auf einmal von der anderen Straßenseite. "Da sind sie ja!", meinte meine Schwiegermutter erfreut und ich sah meine Chance auf eine frühe Flucht in weite Ferne verschwinden. "Aber was tust du denn hier?" fragten die beiden Frauen, die auf uns zugekommen waren. "Ich bringe euch doch das Redaktionsmaterial, habt ihr das vergessen?  Dreimal haben wir schon geklingelt - fast wären wir wieder gegangen!" - "Wo habt ihr geklingelt?" - "Na hier!" Sie wies hinter sich auf die Klingelsammlung des Hauses, vor dem wir standen. "Aber hier wohnen wir doch gar nicht!" In der Tat wohnte die Schwesternsippe gute hundert Meter weiter runter und auch noch auf der anderen Straßenseite. Wir hatten also bei jemand völlig Unbeteiligten so lange ausgeharrt, der zufällig auch den selben Namen hatte wie der verstorbene Maler und seine Schwestern. Eine von ihnen stand jetzt vor uns, die andere Frau war die Witwe. "Und wer ist das?" wurde meine Schwiegermutter mit Hinweis auf mich gefragt. "Das ist meine nuora, die Frau meines Sohnes." - "Ach, das ist deine Schwiegertochter?" - "Ja", meinte meine Schwiegermutter und fügte verschworen hinzu "...und sie ist ein Fraulien, müsst ihr wissen. Sturmtruppen!" Fing das schon wieder an... "Ach, eine Deutsche? Ja, das hat mir irgendwer erzählt. Bella ragazza! Freut mich!" Beide schüttelten mir die Hand und gemeinsam liefen wir auf das richtige Haus zu. "Ich muss gleich wieder weg", meinte die eine Schwester und ich sah unsere Chance wieder zurück, dass wir doch gleich wieder gehen konnten. Eine andere Schwester oben in der Wohnung wurde informiert, dass wir die Zeitschriften in den Aufzug stellen würden und dass sie die in Empfang nehmen sollte. Das hörte sich gut an. Aber die Schwester kam gleich selbst im winzigen Aufzug herunter gefahren, meine Schwiegermutter schob den Wagen mit den Magazinen dazu und quetschte sich noch mit in die Kabine. "Ich warte hier", rief ich ihr zu, aber nein, wir wurden alle mit nach oben genommen und so fand ich mich auch noch auf dem Quadratmeter ein...


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