Friday, October 4, 2013

Intrappolata I

Ach ja, es irrt der Mensch, solang er lebt. Und ich habe mich geirrt, als ich gestern loszog um nur mal schnell eben das Nötigste im Supermarkt zu besorgen. Meine Schwiegermutter angerufen, ob ich mal ganz kurz mein figlio peloso bei ihr parken kann, um nur rasch zum CONAD zu rennen um Pasta und Hundefutter zu kaufen. Sie war etwas kurz angebunden, ich dachte nur, dass sie uns lieber abgewimmelt hätte, aber jetzt nicht anders konnte als zuzusagen. Aber es sollte ja auch schnell gehen, halbe Stunde runter laufen, Hund abliefern, 15 Minuten einkaufen, Hund abholen und eine halbe Stunde zurücklaufen. Mit 90 Minuten wären wir da locker hingekommen und alle hätten wieder ihr Ding machen können, Ludwig hätte genug Spaziergang gehabt und ich hätte am Abend ein tolles Nudelgericht zaubern können, da meine bessere Hälfte nach 2 Tagen Abwesenheit wieder nach Hause kam. Es kam dann nicht ganz so.
Ludwig benahm sich fast vorbildlich auf dem Weg ins Stadtzentrum und ich hatte bewusst nur eine große Einkaufstasche, Geld, Schlüssel und mein deutsches Handy eingepackt um bei dem leichten Gepäck noch ein Hauptaugenmerk auf den Hund legen zu können. Heiß war es und ich schwitzte nicht schlecht im warmen Wollpullover. Als ich bei meinen Schwiegereltern ankam, war da gerade ein handfester Streit im Gange gewesen und jetzt ging man sich aus dem Weg. Meine Schwiegermutter winkte mich in die Küche und flüsterte: "Dieser schemo da drübern geht heute Abend auf eine Geburtstagsfeier. Wir haben also sturmfreie Bude. Was meinst du - ich habe Steaks gekauft, du bleibst hier, wir machen's uns nett und heute Abend koch ich uns was Schönes. Dann kommt noch dein Mann und der muss hierher eh nicht so weit fahren als zu euch nach Hause. Der kann sich hier ausruhen, wir essen zusammen und dann könnt ihr gemeinsam nach Hause fahren. Ist das was? - Hier, schau dir mal diese Steaks an, die sind ganz besonders zart!" In Windeseile suchte mein Gehirn nach Ausreden, weshalb ich dringend zurück nach Hause müsste, aber mir viel einfach nichts ein. "Ich überlege, ob ich nicht irgendwas offen gelassen habe!" - "Das Gas??" - "Nein, das Gas nicht". Die Ausrede wäre toll gewesen, hätte mich aber wie einen Idioten dastehen lassen und jetzt wäre es eh schon so schlimm gewesen, sie hätten womöglich jemanden gefunden, der mich schnell zurückfährt und dann hätte es auch nach Gas riechen müssen und ich wollte ja eigentlich jetzt einkaufen gehen. "Ich habe vielleicht einige Fenster offen!" - "Na, aber es sieht ja nicht nach Regen aus, da passiert schon nichts." - "Ich kann nicht einmal beschwören, ob ich die Haustür zugemacht habe. Wir wollten ja nur ganz kurz weg ursprünglich." - "Wie, du lässt die Haustür auf, wenn du einkaufen gehst? Ach und wenn, das Tor ist hoch, ein Hundewarnschild dran, und die Haustür sieht keiner von außen. Bis zum Abend ist ja auch nicht so lange." Es half nichts. Ich musste zustimmen, dass ich noch bleibe. "Das ist prima. Hier schau mal, kannst du mir vom Supermarkt Pasta für Süßspeisen mitbringen. Das sieht aus wie diese Packung hier, steht aber PASTA FROLLA drauf". Sollte machbar sein. Ich ließ den empörten Ludwig zurück und eilte zum Supermarkt. Hundefutter, Pasta, 2 Knochen für Ludwig und Claretta, Kekse, dies und das und dann noch Pasta Frolla für meine Schwiegermutter. Ich hatte den Begriff noch nie gehört. Ging das ganze lange Pastaregal ab auf der Suche nach einer dreieckig eingepackten, länglichen Rolle mit der magischen Aufschrift PASTA FROLLA. Gab's nicht! Es gab überhaupt nichts dreieckiges, nur die klassischen Tüten und Pappschachteln mit den bekannten Pastasorten. Dann erinnerte ich mich, dass sie die Beispielpackung im Kühlschrank aufbewahrt hatte, also lief ich schnurstracks zum Kühlregal. Hier gab es tatsächlich die Sorte, die sie mir gezeigt hatte, und eine weitere Variante, aber immer noch keine Pasta Frolla. Was tat ich nur. Jemanden fragen? Außer einer Putzkolonne war niemand auffindbar und so blieb mir nichts übrig als die Packungsaufdrucke zu lesen. Das Zeug sollte für ein Dolce verwendet werden, also würde es ja langen, etwas mit diesem Verwendungszweck zu kaufen. PASTA BRISEE war für Dolce geeignet und ich ahnte, dass meine Schwiegermutter sich mal wieder vertan hatte mit dem Namen des Aufdrucks. Ebenso hatte ich schon einmal eine verzweifelte halbe Stunde in einem Supermarkt nach Varecchina gesucht, ehe ich erfuhr, dass Candeggina draufsteht. Hätte man mir doch vorher sagen müssen! Entschlossen packte ich die Pasta Brisee ein und lief zur Kasse...


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