Sunday, September 1, 2013

Kuriositäten...

Ich finde ja, man könnte über diese Nachbarschaft hier eine gute Seifenoper drehen (s. Beitrag "Kleinstadtmief"), manchmal schrill, manchmal erschreckend, manchmal unglaubwürdig stereotyp, manchmal überraschend. Da müsste gar nichts mehr hinzugedichtet werden, für Szenerie und ausreichend Charaktere ist bereits umfassend gesorgt: wir haben die Großfamilie rechts von uns, die grundsätzlich immer gemeinsam essen und dabei alles laut diskutieren, was gerade als Thema daherkommt (und man kann jedes Gespräch dieser Art durch ihr Dachfenster hören), wir haben das Geschwisterpaar links von uns, die hartnäckig draußen einen Stuhl der verstorbenen Mutter deponiert haben, um ohne jegliche Rechtsgrundlage zu verhindern, dass dort geparkt wird, und die mit Vorliebe Brotkrümel aus dem Fenster in unseren Garten werfen ("für die Vögel!"), während sie laut jedes Lied aus dem Radio mitsingen (wobei eindeutig ist, dass sie kein Wort davon verstehen). Wir haben ganz links die Großfamilie mit Wintergarten, die nur im Sommer hier wohnt - ihre Anwesenheit ist erwiesen, sobald sie neben der Wäscheleine voller gewaschener Strandwäsche die italienische Fahne gehisst haben - , darunter eine alte Mutter mit ihrem gehbehinderten Sohn. Schräg gegenüber eine muslimische Familie, die auch hin und wieder Gebetsteppiche zum Trocknen auf die Wäscheleinen zwischen den Fenstern hängen und mit der Vespa, die immer erst mit den dritten oder vierten Anlauf anspringt. Und ein mehr als sonderlicher Anbau am Haus, der unter Garantie ohne Genehmigung zusammengeschustert wurde. In diesem - würde man vermuten - wohnen Zigeuner, aber es ist selbst der Nachbarschaft nicht ganz klar, was es mit diesem Haus auf sich hat. Wir haben weiter links ein Ehepaar mit Opa und autistischer Tochter, die - wenn sie mal zu Hause ist - die ganze Nachbarschaft in schrillsten Tönen zusammenschreit. Ein Haus weiter den Hund mit dem Raucherhustengebell und eine erwachsene, ziemlich dicke Tochter, die im ständigen lautstarken Streit mit ihrer bettlägrigen Mutter liegt. Wir haben den kleinen, faltigen Nachbarn, der jeden Abend hinter den Mülltonnen mit einer Geliebten telefoniert und den alten Nachbarn, der sein altes Ape-Gefährt rigoros an Laternen und Bushaltestellenschilder ankettet, wenn er mal nicht selbstgemachtes Olivenöl damit durch die Gegend fährt. Wir selbst bieten einen alten Cousin an, der fast täglich in unserem Garten wurschtelt und dabei auch mit Vorliebe Nachbars Ernste für sich beansprucht und einen Hund, der mit Vorliebe aus der Toilette trinkt und vom Fenster aus genau diese schrille Nachbarschaft fest im Griff hat. Klingt alles unglaubwürdig? Ich kann doch selbst nichts dafür :) ...


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