Wednesday, September 25, 2013

Ein einfacher Trip wäre ja auch zu langweilig...III

Ich wartete inzwischen schon seit weit über einer Stunde und spürte so langsam auch die Müdigkeit, die diesen Trip so richtig perfekt machte. Das wäre ja noch gegangen, hätte nicht dann auf einmal die Ansage angefangen zu spinnen. Sie kündigte für meinen Zug eine Verspätung von 30 Minuten an. Wie, noch weitere oder war mein Zug etwa schon lange weggefahren, während wir alle die 50 Minuten an der Tafel für bare Münze gehalten hatten?! Panik stieg in mir hoch. Mehrere Menschen liefen ziellos zwischen dem Gebäude und Gleis 1 auf und ab. Einen Schaffner sah ich - ganz unerwartet. "Ahaha, die ändern auch minütlich ihre Meinung! Erst Gleis 8, dann gleich 4, erst 20 Minuten, dann 10 Minuten Verspätung. Da stimmt ja einfach gar nichts mehr!" Was bei ihm für gute Laune sorgte, ließ mich nur mein Zeug schnappen und auf zu meinem Gleis rennen. Von 30 Minuten stand hier nichts mehr, es war bei nunmehr 45 Minuten Verspätung stehen geblieben und das bedeutete, dass der Zug jetzt jeden Augenblick einfahren sollte. Falls er kam! Meine bessere Hälfte rief mich an. Er hatte nun endlich jemanden aufgetan, der ihn zum Bahnhof bringen konnte und der mehr als nur ein Motorrad besaß. Er musste nur schauen, dass dieser jemand auch rechtzeitig ankam und wollte ganz genau wissen, wann ich denn nun wohl ankommen würde. "Das weiß kein Mensch, aber es kann sein, dass der Zug hier in ein bis zwei Minuten einfährt", blieb ich vage. Das sagten auch zwei deutsche Touristen, die offenbar die ganze Zeit auf dem Gleis ausgeharrt hatten. Und siehe da, die neueste Ansage kündigte die Einfahrt des Zuges an, als wäre nie etwas gewesen. Ich schaute auf mein Ticket. Da stand eine Platzreservierung, aber der Zug, der herein gefahren kam, war bis auf wenige Abteile so leer, dass es völlig wurscht war, wo man zu diesem Zeitpunkt einstieg. War es? "Oh Gott, der Wagen 3 ist ganz dahinten!" riefen die beiden deutschen Touristen entsetzt und rannten wie von der Tarantel gestochen an mir vorbei und das Gleis hinunter zum Ende des Zuges. Gibt es wirklich Menschen, die SO deutsch sind?? Ich hatte auch eine Reservierung für Wagen 3, aber ich stieg ganz rotzfrech und ohne Gewissensbisse in Wagen 7 und machte mich dort in einem der vielen Abteile ganz alleine breit. Zum Teufel mit der Platzreservierung, ich könnte mir vorstellen, dass jene Touristen sogar Passagiere aus ihrem Abteil vertrieben hätten, hätten sie jemanden auf ihren Plätzen vorgefunden. Der Zug der Pilger nach Lourdes war inzwischen auch eingefahren und mehrere von ihnen sangen beim Einsteigen im Chor. Mein eigener Zug dümpelte langsam ins Dunkel hinein, Mitternacht war lange hinter uns gelassen und die letzte Unsicherheit verschwand, als ich am Bahnhof tatsächlich meine bessere Hälfte mitsamt einem Auto und Fahrer entdeckte. "Lass uns schnell nach Hause fahren, ich musste Ludwig dort alleine lassen und er war not amused". Als wir ankamen, stand das Haus zwar noch, aber noch einer stand dort: Ludwig am Fenster und er heulte ziemlich laut und ausdauernd wie ein Wolf! AAAAAAUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUHHHHHH...



No comments:

Post a Comment