Wednesday, September 25, 2013

Ein einfacher Trip wäre ja auch zu langweilig...II

Ok, in Pisa war ich also schon mal, jetzt konnte ja nichts mehr schief gehen! Ach nein? Nein, ich war ja noch nicht zu Hause! Prompt kam der Anruf von meiner besseren Hälfte - Autopanne! Was jetzt?! Der Zug! Es war schon recht spät, aber der Schalter war noch besetzt. Eine tolle InterCity-Verbindung war das letzte, was von hier aus noch gen Norden fuhr. Mit längerem Aufenthalt in Pisa. Riesig! Also zahlte ich das Doppelte, was ich normalerweise für die Regionalbahn gezahlt hätte und machte mich auf den Weg nach Pisa Centrale. Eine gute Freundin schrieb mir eine SMS, die ich erst ziemlich spät las, weil mein Handy nur blinkte, aber keinen Ton von sich gegeben hatte. "Oh Gott, dein Zug hat 50 Minuten Verspätung!" Das sind genau die Neuigkeiten, die man hören will, lange nach 22 Uhr. Und just in dem Moment gingen die Zugtüren zu. Ich hätte ja eher die Nacht am Flughafen verbracht und wäre am frühen Morgen gefahren, aber ich konnte jetzt nicht mehr aussteigen. Da ich aber am Flughafen keine Angabe zu verspäteten Zügen gelesen hatte (die haben dort eine Anzeige von Pisa Centrale), versuchte ich einmal mal ans Glück zu glauben und daran, dass meine Anzeige die Wahrheit gesagt hatte. Freunde können sich irren und wer weiß, aus welchen unzuverlässigen Quellen die Nachricht über die 50 Minuten Verspätung gekommen war. Was wussten die schon! Ich näherte mich jedenfalls Pisa Centrale und war erleichtert als ich nicht die einzige war, die dort ausstieg. Ich warf einen Blick auf mein neues Gleis, aber da lief nur eine abgehalfterte, dürre Gestalt mit einer Flasche auf und ab, also wartete ich doch lieber im Hauptgebäude. Dort gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte war, der Zug hatte tatsächlich sehr viel Verspätung, allerdings "nur" 40 Minuten. Die gute war, dass ich nicht alleine wartete. Eine ziemlich unwirkliche Gruppe aus gut 20 Italienern fortgeschrittenen Alters, einige in Rollstühlen, und einem guten Dutzend Nonnen in altmodischer Tracht warteten ebenfalls. Sie waren auf dem Weg nach Lourdes und wie ich später erfuhr, hatten sie einen eigenen Sonderzug, auf den sie warteten. Und wir waren nicht die Einzigen. Circa 10 bis 15 weitere Personen hingen deprimiert herum oder liefen auf und ab. Eine Mutter mit Kindern stürzte auf mich zu: "Kommen Sie hier aus Pisa??" - "Ähm, nein!" meinte ich verblüfft. Sie wollte nach Genua fahren, hatte sich aber im Plan vertan und erkannte erst jetzt, dass es keinen Zug nach Genua gab. Außer einen um 3:27, wie sie mir später mitteilte. Auch einige Touristen waren gestrandet, sowohl Deutsche als auch Asiaten, wobei letztere nur etwas unbeholfen den Ausgang suchten. Wir warteten also alle weiter. Ein Zug aus Assisi hatte auch 40 Minuten Verspätung und die vielen Züge nach Livorno interessierten keinen von uns. Langsam kletterte die Zuganzeige für meinen Zug Richtung La Spezia erst auf 45 Minuten und dann auf 50 Minuten Verspätung. Ein alter Italiener mit viel Gepäck fing an laut zu schimpfen und dann seine Wut an jemandem am anderen Ende seines Handys auszulassen. Auch die Mutter mit den Kindern telefonierte und die Nonnen gingen gut gelaunt auf und ab. Ein dünner Mann mit Mp3-Player kam dynamisch wippend von draußen und wollte gleich weiter zu den Zügen. Er sah die Anschlagtafel erst im letzten Moment, blieb stehen, starrte und schlurfte wieder nach draußen. Ein Mann mit Weinglas lief mehrmals an mir vorbei, irgendwann lief auch eine Frau mit Handy wild gestikulierend auf und ab, schließlich kamen sie gemeinsam um die Ecke und diesmal trug die Frau das Weinglas. Weg waren sie. Mehrere Züge kamen an und setzten unterschiedlichste Menschen auf freien Fuß: Studenten, Touristen, Männer in Anzügen und größere Gruppen an Afrikanern, die zugeklappte Verkaufstische trugen...



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