Sunday, August 11, 2013

Was ist heute nur los? II...

"Lass uns mal gehen", meinte ich schließlich, kaum dass wir es geschafft hatten, Ludwig von einem großen, weißen Maremmano abzulenken. Zu viele Menschen, zu viele, die auf uns einredeten und auf die ich mich sprachlich einstellen musste. "Carissimooo!" tönte es aus einer Bar von rechts. NEIN! Nicht noch einer. Und diesen kannte ich eindeutig nicht, nein, nie gesehen und ich wollte auch nicht mehr reden. Nicht mit dem, und auch mit keinem anderen. Während meine bessere Hälfte den Mann über aktuelle Projekte updatete, der ein Bruder von Kumpel Umberto hätte sein können, ging ich zu Ludwig in die Hocke und streichelte ihn, um wenigstens etwas zu tun zu haben. "È tuo, questo cane?" Ein Kind auf meiner Augenhöhe. Ich sprang sogleich hoch. "Nein, nicht mein Hund, seiner! Seiner!" Das Kind erging sich in einer Aufzählung der Merkmale, die Ludwig von einem Schäferhund hatte. "Der Schwanz ist von einem Schäferhund, die Augen sind von einem Schäferhund, das Fell ist von einem Schäferhund..." - "Ja, er ist ja auch ein Schäferhund, amore", brach seine Mutter ab und zog das Kind an uns vorbei. Gott sei Dank. Stand ich also wieder vor dem Mann, der Umbertos Bruder hätte sein können und der mich prompt belegte. "Weißt du, Signora, ich habe jahrelang ein Konservatorium besucht, klassische Musik studiert, ich kann zig Dinge komponieren, frag mich alles zur Theorie, aber dann - "...und ab hier verstand ich ihn nicht mehr. Es schien um etwas Ungerechtes zu gehen, vielleicht beschwerte er sich, dass man nicht ihn beauftragte, sondern meine bessere Hälfte? Und wofür eigentlich? Und wer war er überhaupt? Vorsichtshalber lachte ich leicht mitfühlend, das kann nie schaden, denn falls man in das Gespräch wieder einsteigen kann, lässt sich ein mitfühlendes Lachen in zig Reaktionen umwandeln. Geübt bin ich darin. Ja und dann stellte er sich mir sogar noch mit dem Namen vor und ich hörte nicht mal hin! Wollte wissen, ob ich auch was mit Musik mache. Nein, nein nein. Auch er schien die Bands zu kennen und zig Freunde von meiner besseren Hälfte, nur ich hatte mal wieder keine Ahnung. "Und wie heißt er? Oder sie?" fragte er mit Blick auf unser haariges Kind. "Ludwig." - "Ach, wie Beethoven?" Wahnsinn. Zum ersten Mal suchte ich das Gespräch: "Unglaublich, du bist der Erste. Meine bessere Hälfte erzählt den Leuten immer 'Ludwig - come van Beethoven' und wir ernten immer nur leere Blicke." Sicher kannte er Beethoven, als klassischer Musiker, nur wieso kellnerte er hier gerade in einer Bar? Fragen über Fragen, die schon lange zu viel waren und nachdem ich mir anhören durfte, dass - apropos - Beethovens Stück xy ganz genauso klänge wie ein gewisser zweiter Teil von Mozarts Stück yz verabschiedeten wir uns endlich nach Hause. Die Gasse hinunter hörte ich inzwischen Cosimo laut ins Mikrofon singen - ja, ich wusste nicht mal, dass er Sänger ist - und schwor mir, ab jetzt mal genauer die Fotos von denen anzusehen, die mir immer mal wieder schreiben.
Wir machten uns auf den Heimweg, Gott sei Dank auf dem Fahrrad und wir hatten ordentlich Tempo drauf. Ein Glatzkopf mit Kinderwagen im Halbschatten grüßte uns freundlich, kaum dass wir das Ortseingangsschild passiert hatten. Auch den Mann hatte ich noch nie gesehen, unsicher grüßte ich zurück. Vielleicht hatte er uns ja nicht mal gemeint, ach was weiß denn ich.
Kaum zu Hause finde ich eine Mail vor: "Kannst du dir bitte meinen Song anhören und sagen, was du davon hältst? Meinst du ich könnte eine Zukunft mit meiner Band haben? Deine Meinung ist mir sehr wichtig". Bin ich jetzt Musikagent oder was? Wer war denn dieser und wieso gab der was auf meine Meinung?! Ich habe mit der Musik nichts zu tun! "Der wird gesehen haben, dass du als Lyrics Supervisor arbeitest", warf meine bessere Hälfte ein. "Ja, aber da geht es um TEXTE, und darum ob die KORREKT sind. Was weiß denn ich vom Musikmarkt, außer, dass sich da unendlich viele tummeln und kaum einer wirklich damit Erfolg hat." - "Dann ignorier die Mail halt!" - Nee, als Möchtegernautor kann ich mich gut in den Knaben hineinversetzen, der da seinen Traum hegt mit seiner Musik etwas zu bewegen und damit Erfolg zu haben. Und jetzt erhofft er sich eine Antwort von mir, aus welchen Gründen auch immer. Habe mich also hingesetzt, den Song angehört und ihm ein Dutzend Zeilen geschrieben. "Oh, mein Gott, du weißt gar nicht, was deine wundervollen Worte für mich bedeuten", setzte der Junge in seiner sofortigen Antwort an, gefolgt von der Ehre, die er empfindet und dass er mir das Glück, was ich ihm gewünscht habe, gleich doppelt zurück wünscht. Vielen Dank. Wenigstens hat er sich gefreut. Ich hatte schon mal eine, die hatte auch etwas falsch verstanden. Die hat mir vorgesungen, als würde ich für irgendwas casten! Die musste ich nach wenigen Noten abwürgen, denn ich konnte beim besten Willen nichts für sie tun. Es geht also immer noch schriller. Ja, manchmal sind die Tage einfach nur ungewöhnlich...


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