Wednesday, August 21, 2013

Schwiegervater auf der Flucht I...

"Zwei Cousinen aus Genua kommen nächste Woche", hatte mein Schwiegervater mit blankem Entsetzen im Gesicht angekündigt, als wir letzte Woche bei uns Ferragosto gefeiert hatten. "Und die bleiben über Nacht! Für mehrere Tage! Das kann ich nicht!" Mein Schwiegervater spricht sonst nicht viel, außer er ist alleine mit uns oder es geht um was. Diesmal ging es um was. "Ich ertrag die keinen Tag!" - "Komm doch zu uns", meinte ich nebenbei, "wir haben schließlich ein Gästezimmer."
Jetzt war es tatsächlich soweit: zwei Cousinen aus Genua und ein alter Pekinese zogen bei meinen Schwiegereltern letzten Montag ein. Das waren im Ganzen vier Personen verteilt auf zwei Doppelbetten, man musste sich also schon arg liebhaben, um das mitzumachen. Ich weiß nicht, wer letztendlich mit wem ein Bett teilen musste, aber meine bessere Hälfte fuhr prompt Montagabends nach dem Abendessen mit Ludwig los, um seinen Vater zu retten und ich öffnete schon mal den Rotwein. "Donne!" rief mein Schwiegervater, kaum dass er eine gute Viertelstunde später unser Wohnzimmer betreten hatte. "Non ce la faccio più!!!" Wir schenkten ihm Wein ein, dann schien er sich langsam zu beruhigen. Meine bessere Hälfte schaltete ihm eine Quizsendung im Fernsehen ein, die er konsumierte, bis im ein Gedanke kam: "Oh! oh! Hier gibt es Internet, nicht wahr? Können wir den Segelcup auf YouTube schauen? Der wird nur da übertragen." So aufgeweckt und glücklich hatte ich ihn selten erlebt. Meine bessere Hälfte und sein Vater schauten sich das Segeln an, dann noch Fußball und eine sehr lange Übertragung von Beppe Grillo. Richtig gemütlich war das alles, ganz im Gegenteil zu den Tagen, wenn meine Schwiegermutter hier ist und alle immer nur zum Arbeiten geschickt werden.
"Vado a letto! Buonanotte!" hieß es kurz nach 1 Uhr nachts und meine bessere Hälfte wisperte mir bereits zu "Und jetzt verabschiede dich von unserem Fernseher - den wird er im Schlafzimmer haben wollen!" Aber nein - mein Schwiegervater wollte einfach nur ins Bett, freute sich auf die ruhige Nacht und ließ zu allem Übel auch noch die Gästezimmertür weit offen stehen, so dass wir sehr bald darauf ein regelmäßiges Schnarchen vernahmen und nicht mal mehr Licht auf der Treppe nach oben machen wollten, als wir ins Bad gingen.
Ein Gewitter war aufgezogen und brachte frische Luft ins Haus. Der Donner grollte und die Blitze erhellten alles, als spontan noch ein weiterer alter Bekannter vorbeischaute. "Das kann doch nicht sein, dass das jetzt noch ein Erdbeben war!" - aber doch, das war es. Muntere 3,2 auf der Richterskala gesellten sich zu rumpelnden Gewitter der Nacht und Ludwig war bereits mehr als hellwach...



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