Wednesday, August 21, 2013

Schwiegervater auf der Flucht II...

Die Nacht war dann seltsam, ich träumte irgendeinen Mist von Spukgestalten im Haus zusammen und war spontan hellwach, als ein herbstliches Lüftchen ins Schlafzimmer geweht kam. War der Sommer wirklich schon vorbei? Aber nein, es war gerade mal 7:30, und dementsprechend morgendlich frisch, was ich aber erst verstand, als ich bereits mit zerknautschtem Gesicht und wirren Haaren in der Küche nach einem Kaffee suchte. Mein Schwiegervater war bereits fertig angezogen und startklar. "Ich gehe jetzt", stellte er fest und machte sich auf den Weg einen Bus ins Zentrum zu nehmen. "Um diese Uhrzeit schon?" Leute gab es auf dieser Welt, das glaubte man kaum. Später fanden wir heraus, dass er sogar den ganzen Weg ins Zentrum gelaufen war, um in Cousin Massimos Bar den Vormittag zu verbringen, allerdings vor verschlossenen Toren stand und dann wohl oder übel hatte nach Hause gehen müssen.
Heute Abend wurde er erneut gerettet, kaum, dass wir den letzten Bissen Abendbrot heruntergeschluckt hatten. "Das ist aber auch wirklich die letzte Nacht! Morgen seid ihr mich los", entschuldigte sich mein Schwiegervater schon beim Hereinkommen. "Das macht nichts," warf ich ehrlich ein "wir hatten heute schon Onkel Cesare hier und der wollte allen Ernstes alle unsere unreifen Feigen pflücken und dann noch Nachbars Haselnüsse und Tomaten, ehe er sich mit einer großen Gurke abspeisen ließ und endlich nach Hause ging!" - "Und ich hatte ihm noch gesagt, dass er auf Nachbars Grundstück nichts zu suchen hat", ergänzte meine bessere Hälfte und ich öffnete lieber schon gleich mal den Rotwein, als ich den verständnislosen Blick meines Schwiegervaters sah. Oder doch besser gleich Rum?
"DONNE!!!! È ASSOLUTAMENTE IMPOSSIBILE!!!" fing er an. "Den ganzen Tag sitzen die im Wohnzimmer und quatschen! Von 2 Uhr nachmittags bis 20 Uhr abends sitzen die unverändert im Wohnzimmer und quatschen!! Drei Frauen zusammen und es wird nichts anderes getan als gequatscht! Ok, mittendrin trinken sie etwas, weil sie nicht mehr reden können, weil die Zunge trocken ist und dann geht es wieder weiter! Das ist doch nicht normal! Das tut doch irgendwann im Rücken weh, wenn man den ganzen Tag nur so da sitzt und quatscht! Ich habe mir irgendwann den Fernseher in die Küche geholt, weil ich es nicht mehr ertragen konnte! Den gaaanzen Tag wird nur gequatscht!" Mein Schwiegervater schenkte sich Wein nach. "Erst wird die ganze Familie durchgekaut, Nichten, Neffen, Söhne, Töchter und wenn sie damit durch sind dann quatschen sie über die Telenovelas, die gerade laufen. Wer da mit wem gerade und wie die jetzt gerade aussehen und was in der letzten Folge passiert ist und wie es weitergehen wird! Das ist doch nicht normal! Da wird man doch bekloppt, wenn man das hört! Den ganzen Tag geht das so und ich hab schon versucht möglichst lange außer Haus zu bleiben! Mit ihren Telenovelas haben sie mir dann den Rest gegeben, das ist doch wirklich nicht normal! Schon wenn die sich nicht sehen, dann schauen sie die Telenovelas jede für sich und dann telefonieren sie eine Stunde lang im Anschluss, um sich darüber auszutauschen. Was soll man denn zu diesem Mist austauschen?! Das ist doch wirklich nicht normal!!" - "Na, hier ruft sie auch immer wegen nichts an", warf meine bessere Hälfte ein. "Dann wird gefragt, ob es heiß ist, was der Hund macht, ob Cesare da war und ob wir schon gegessen haben - und so geht das jeden Abend!" - "Ist doch nicht normal, die Frau!" schloss mein Schwiegervater ab und wir ließen den Abend entspannt ausklingen mit Rotwein, Baileys und Schokoplätzchen und irgendeinem Fußballspiel, ehe sich unser Gast ins Gästezimmer zurückzog mit dem Hinweis: "So gut wie hier habe ich schon lange nicht mehr geschlafen. Ruhe, frische Luft und ganz normale Menschen!"..."Naja...normal...", meinten meine bessere Hälfte und ich und musterten uns gegenseitig einmal von oben bis unten...


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