Saturday, August 31, 2013

Problemlos? Mitnichten...

Ich bin gefragt worden, ob eine Auswanderung wie meine (inkl. kompletten Lebenswandel) so einfach sei wie ich es darstelle. Nun, ich denke nicht, dass ich es einfach darstelle, ich glaube ich lasse mich nur nicht mehr sonderlich von Hürden ausbremsen. Oder zumindest nicht völlig entmutigen. Ich könnte den ganzen Tag jammern über alles, was nicht so läuft wie es sollte, oder aber ich schaue, dass ich an den Dingen arbeite, die laufen. Oder aber versuche die Dinge, die nicht laufen, zum Laufen zu bringen. Märchen sind das alles nicht, und an Märchen sollte man auch besser nicht glauben, wenn man sich zu solchen Schritte wie einer Auswanderung entschieden hat. Fans glauben an Märchen und einige Träumer, die nie einen Fuß vor die Tür in die Realität setzen. Aber man kann alles dran setzen, dass die Situation einem Märchen so nahe wie möglich kommt.
Das ist dennoch kein Grund mich zu beneiden. Ich verdiene nicht gut und es ist frustrierend zu sehen, wie Leute einem ins Gesicht sagen, dass sie gerne mit mir arbeiten würden, aber es sich nicht leisten können. Unterricht oder Übersetzungen, die Mehrheit der Leute kämpft mit der wirtschaftlichen Lage. Firmen schließen, nicht, weil sie nicht verkaufen, sondern weil sie die absurden Steuern nicht mehr stemmen können.
Am Auto ist etwas kaputt, was sich nicht finden lässt als Fehler (und was wurde dieses Jahr schon in Reparaturen investiert!), also wird es nur noch für Strecken in der Stadt genutzt oder aufs Fahrrad umgesattelt, weil man damit rechnen muss, dass es jeden Tag wieder stehenbleiben kann. Am Haus wird renoviert was geht, aber größere Anschaffungen werden nicht getätigt, weil es sein kann, dass wir in den nächsten Monaten nach Genua umziehen werden. Ihr müsstet mal die Küche sehen, das ist arrangiarsi pur! Dasselbe betrifft viele andere Zimmer: da unklar ist, ob wir hier auf Dauer bleiben, sind Anschaffungen bislang eingefroren. Man könnte so viel tun, das Haus neu verputzen, streichen, neue Regenrinnen befestigen, man könnte den Dachboden ausbauen und aufstocken, einige Fliesen austauschen. Neue Möbel kaufen. Den Tante-Emma-Laden würden wir gerne renovieren, also nutzbar machen. Ludwig muss noch lernen ruhige Gassigänge auszuführen, er zieht und zerrt und das ist bei fast 50kg kein Spaß. Heute habe ich dann auch noch 3 Flöhe in seinem Fell entdeckt! Die Flöhe werden seit heute bekämpft und für das Gassigehen geht Ludwig in die Schule. "Pazienza" sagte der Lehrer, "ihr braucht Geduld mit ihm". Bis dahin kann ich ihn aber nicht ausführen...Die Trauben wurden fast nichts dieses Jahr, die Stöcke müssen mal richtig nach Winzerart heruntergeschnitten werden. Der Unterstand im Garten fällt fast in sich zusammen, einige Dachziegel sind heruntergefallen bei den Erdbeben. Abreißen das Ding? Aber nein, darauf gibt es eine Baugenehmigung! Noch gibt es keinen Zaun zu den Nachbarn aufgrund zweier unterschiedlicher Karten beim Katasteramt - seit geschlagenen 5 Jahren ist der Fall vor Gericht - welche böse Zungen meinen, dass da Gelder geflossen sind? Die Heizung müsste ausgetauscht werden und die Waschmaschine wartet seit Monaten auf Reparatur. Mein Italienisch könnte auch besser sein und ich arbeite an so vielen Dingen gleichzeitig, dass ich bei allem nur langsam vorankomme. Es kann hart sein, aber es macht mir noch immer Spaß! Dies ist kein Auswanderermärchen, dies ist das wahre Leben...


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