Friday, August 9, 2013

Die italienische Hochzeit VII...

Es war bereits späterer Abend und nach Appetizern, erstem Gang, zweitem Gang, drittem Gang, Obstdessert und Hochzeitstorte waren wohl alle Gäste und Gastgeber wohlig gesättigt und ließen es ruhig angehen. Nicht dass wir vorher unbedingt viel getan hätten, aber die Hektik des Tages war irgendwie verflogen. Die Nähe unter den Gästen hatte sich verstärkt, man hatte neue Menschen kennengelernt und die Beziehungen zu Bekannten wieder aufleben und bestärken lassen. Ein Espresso wurde serviert, der ja häufig als Rausschmeißergetränk verstanden wird. Und in der Tat hatten wir noch eine lange Heimreise in die Toskana vor uns. Aber als der Bräutigam sich schließlich zu uns an den Tisch gesellt hatte, fragte er irgendwann ob wir einen Amaro mit ihm trinken würden. Sehr gerne natürlich! Ich liebe Amaro in allen Varianten. Er führte uns zu einem der Tische im Garten, die jetzt neben den Kerzen mit Dutzenden von Gläsern bestückt war. Eine Box mit Eiswürfeln und diverse Flaschen an guten Tropfen zur freien Verfügung. Alles ging nicht, aber ich genehmigte mir immerhin einen Jägermeister, einen Montenegro und einen Grappa zum Abschluss. Eher durch Zufall entdeckte ich später noch eine zweite Selbstbedienungsbar und zwar eine mit Süßigkeiten! Die hier üblichen "Confetti" - eine Mandel mit Marzipan und Zuckerguss - gab es gleich in diversen Geschmacksrichtungen. Dazu verschiedene Gummiteilchen im Haribo-Stil und verschiedene Stücke aus Marshmellow-Material im weiteren Sinne. Es lagen Papiertüten aus, in die man sich seine Schätze abfüllen konnte und davon wurde reichlich Gebrauch gemacht, denn die Leute kauten bereits beim Befüllen.
Damit hatte der Magen wirklich sein Limit erreicht. Meine letzte Tütenbefüllung packte ich gleich so in meine Pouchette für den Heimweg. Reichlich verfressen kam man sich schon vor, aber der Tag war so wundervoll gewesen, dass man sich an diesem Punkt auch nicht mehr beschneiden wollte. Der Aufbruch stand unmittelbar bevor. "Warte, wir bekommen noch ein Geschenk", meinte meine bessere Hälfte, als ich schon dabei war mich vom Brautpaar zu verabschieden. Bei italienischen Hochzeiten ist es üblich den Gästen am Ende der Feier noch eine "Bonboniere" mitzugeben, ein Glas oder Tütchen mit den Confetti, die es hier bereits an der Bar gegeben hatte. Ein Mitbringsel nach so einer üppigen Feier, zu der man bereits kein Geschenk mitgebracht hatte, erschien dann noch mal so unangemessen und dennoch so liebenswert. Die Bonboniere in diesem Fall war eine kleine Flasche exklusiven Olivenöls, die alle Gäste mit nach Hause bekamen. Mit dieser im Gepäck konnten wir schließlich die Heimfahrt antreten.
Die Müdigkeit machte sich prompt bemerkbar und ich war froh nicht fahren zu müssen, als wir uns wieder auf den langen Weg nach Süden machten. Wobei, so lange war es gar nicht. Am Ende waren wir gegen 1:30 wieder in Genua, verabschiedeten uns von Roberto und Irene mit der Abmachung uns noch diesen August gegenseitig zu besuchen und dann kam die letzte Etappe des Tages. Aber erstmal musste ein Kaffee her. Völlig overdressed und gleichzeitig aufgelöst fielen wir in den nächsten Autogrill ein und tankten die Batterien an der Theke auf. Noch eine weitere Stunde später und wir waren wieder zu Hause angelangt. Beseelt vom schönen Tag fielen wir ins Bett, auch wenn aufgrund der Hitze hier nicht groß an Schlaf zu denken war.
Eine Woche später rief übrigens die Polizei ein - man hatte die Brieftasche meiner besseren Hälfte mit allen Karten gefunden - auf dem Parkplatz in Genua...


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