Thursday, August 8, 2013

Die italienische Hochzeit VI...

Aber nein, das war die große Enttäuschung und der einzige Knackpunkt dieser wunderschönen Feier: keine Rede, keine Spiele und kein Tanzen. Nicht mal ein Hochzeitstanz. Hätten die Gäste nicht hin und wieder laut "BACIO" gerufen, hätte es überhaupt keine kollektive Aktion gegeben. Die Gäste verteilten sich wieder über die gesamte Fläche, einmal mehr schien man auf einer privaten Feier eines Anwesens zu sein, so durch und durch schön, dass man sich durchaus mehrfach die Frage stellte, was der ganze Spaß wohl gekostet haben musste. Viele merkten schließlich gar nicht, dass der offizielle dritte Gang geliefert worden war, kaum dass die Dämmerung über alle hereingebrochen war: "Filetto di lanzotto alla pancetta e salvia crema di patate e erbette di campo". Einfach gesprochen waren es Fleischfilets mit Schinken umwickelt zusammen mit Kräutern und Kartoffelcreme.
Und mit den leeren Tellern des dritten Ganges verschwand nach und nach auch die Hitze des Tages. Die Schwüle blieb bis zu einem gewissen Grad, dennoch war es angenehm geworden. Die Kellner luden zum offiziellen vierten Gang wieder auf die Gartenfläche und überließ alles weitere dem einzelnen Gast. Für den "Angolo della frutta e sorbetti" hatte man die ursprünglichen Fingerfoodtische mit Kerzen geschmückt und große Schalen voller Trauben und Melonenstücke aufgebaut. Auf Tabletts waren kleine Schalen mit verschiedenen Sorbets angerichtet. Auch wenn man schon wirklich nicht mehr konnte - dieses Obst musste sein, während man in die verschiedenen Gespräche versunken war.
Der Fotograf, der den ganzen Tag schon ohne Unterlass jeden fotografiert hatte, den er irgendwie vor die Linse bekommen konnte, hatte mitten auf die Rasenfläche ein Studio aufgebaut. Kunstlichtschirme und Nebelmaschine und schon konnte das Brautpaar von allen Seiten aufgenommen werden. Dann Brautpaar mit Kind, Brautpaar mit Eltern, Braut mit Freundinnen, Bräutigam mit seiner Band, nur die Kinder, nur die Trauzeugen und welche Variationen auch alle so eingefallen waren. Das Happening zog sich parallel über eine gute Stunde hin und fand erst ein Ende als die Ausrüstung schließlich überhitzt war und ausgeschaltet werden musste.
Es traf sich gut, dass zu dem Zeitpunkt dann die Hochzeitstorte angeschnitten wurde, die zur Abwechslung nicht mehrstöckig, sondern flach und recht schlicht gehalten war. Nach dem Anschnitt bekam das Brautpaar das Messer prompt wieder aus der Hand genommen, denn um den Rest kümmerten sich dann wieder die Kellner. Im Teigraten bin ich schlecht, aber ich sage mal etwas ins Unreine, dass es ein Bisquitteig gewesen sein könnte. Mit Sahne, Früchten und Kokos. Und sehr lecker hat es geschmeckt. Hier hätte ich mir sogar ein Bis geben lassen, aber leider war das wohl mit der Torte nicht vorgesehen gewesen...






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