Thursday, August 8, 2013

Die italienische Hochzeit V...

Teil 1 war absolviert, jetzt stand Teil 2 an - das Restaurant. Aber was für ein Restaurant! Der Bräutigam empfing uns auf dem Parkplatz mit Champagner in der Hand. "Und du trinkst bereits ohne uns, coglione?" fragten seine Freunde und so wurden wir in die Location geführt. Ich will gar nicht "Restaurant" sagen, denn es handelte sich um ein Gelände in Form eines großen Gartens. Bäume, Sträucher und Rasen, mehrere offene Pergolen und Pavillons mit weißen Vorhängen standen über die Fläche verteilt. Darunter wurden Appetizer gereicht: zwei Kellner schenkten an der Sektbar ein, ein Kellner schnitt prosciutto crudo in hauchdünne Scheiben, auf zwei Tischen stand Fingerfood in allen Varianten und in einer Ecke fand sich ein überdimensionaler Laib parmigiano, aus dem verschiedene Stücke herausgebrochen waren und zur Mitnahme  im Vorbeigehen bereit standen. All das erschien wie eine edle Gartenparty des eigentlichen Restaurants, das ebenfalls auf dem Gelände stand und wohin die Kellner die abgefressenen Teller und schmutzigen Gläser brachten.
Bei herrlichstem Sonnenschein ließ sich bei so viel Baumschatten auch die Hitze gut verkraften. Man stand in Grüppchen herum, fraß sich durch das Angebot und saß auf den weißen Sofas und den Strohballen, die überall verteilt standen. Als ordnungsgemäß zum Dinner gerufen wurde, waren die meisten eigentlich schon satt. Aber jetzt fing das Gelage ja erst an. Unter einem sehr großen Pavillon waren die Tische angerichtet und nach Gruppen sortiert. Diese wurden zugewiesen und dann hatte man innerhalb des Tisches freie Platzwahl. Am Tisch der "musicisti" fanden sich schließlich ein gutes Dutzend Gäste, von denen ich die meisten immerhin vom Sehen kannte: Bandmitglieder, Tontechniker, Studioleiter, befreundete Musiker und deren Begleitungen. Eine schöne Tischdekoration, Körbe voller Brötchen, verschiedene Flaschen Wasser und Wein in Abständen verteilt. Kaum Zeit die Menükarte zu studieren, denn dann ging es auch schon los.
Mit bereits vollem Magen bestaunten wir den offiziellen ersten Gang: "Risotto alle punte d'asparagi mantecato con tartufo nero", ein Risotto mit grünem Spargel und schwarzem Trüffel, zum Niederknien. Ein Kellner verteilte noch ein "bis", einen Nachschlag, wer wollte, aber beim besten Willen - ich kam nicht mal auf die Idee mir ein Brötchen dazu zu nehmen, geschweige denn an einen Nachschlag zu denken. Kaum geschluckt rollte nämlich auch schon der offizielle zweite Gang an: "Fagottini di pasta al Culatello crema di Parmigiano e funghi di bosco". Ein sperriger Titel, aber im Grunde kann man es zusammenfassen als eine Art kleiner Tortellini auf Pilzbasis, wieder unglaublich lecker und intensiv vom Geschmack her und auch hier hätte man sich noch einen Nachschlag geben lassen können, wenn man denn nicht schon am Limit gewesen wäre. Ich hoffte inständig, dass man sich jetzt zwischen den Gängen mehr Zeit lassen würde. Und es musste ja auch noch Spiele, Tanz und Reden geben, nicht wahr?...


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