Thursday, August 8, 2013

Die italienische Hochzeit IV...

Nach dieser teils unkonventionellen, teils traditionellen Zeremonie, die für mich irgendwann jede Struktur verloren hatte, stellte meine bessere Hälfte fest, dass er seinen Leseeinsatz verpasst hatte. Niemand hatte ihm ein Stichwort gegeben und irgendwie war somit die Trauung zu Ende gegangen, ohne dass er gelesen hatte. Macht doch nichts, sagte ich ihm, denn meinen Unmut hatte dieses Chaos schon längt erregt. Roberto sollte etwas singen, doch dann wurde er wieder als Trauzeuge für eine Unterschrift verlangt und hetzte von der Orgel wieder an den Altar. Dann sang er wieder und die Hälfte der Gäste hatte bereits die Kirche verlassen, stand im Gang herum oder draußen vor der Tür. Roberto ließ sich nichts anmerken und sang beharrlich weiter, während das Kind des Brautpaares im Altarraum auf verschiedene Wände etc. klopfte und weil das so schön war, machten noch zwei andere eingeladene Kinder mit. Die Eltern - das Brautpaar - standen derweil verloren hinter dem Altar, ließen sich vom Fotografen fotografieren und wussten weder ihr Kind einzufangen, noch wie diese Feier jetzt noch abzuschließen war. Der Pfarrer war bereits verschwunden - aber nein, er hatte sich nur ausgezogen - also sein Gewand ausgezogen. Mit seinem schwarzen Poloshirt sah er aus wie jeder durchschnittliche, gediegene Rentner, der schon mal mit Aufräumen beschäftigt war. Roberto fiel ihm dennoch auf: "Donnerwetter, der Junge ist gut! Macht der das öfter?"
Nach diesem etwas skurrilen Ende der Trauung fand man sich häppchenweise draußen auf den Stufen vor der Kirche in der prallen Sonne wieder. Man warf mit Rosenblättern und für alle Verdurstenden stand die Kirchenbar im Nachbargebäude zur Verfügung. Der Pfarrer höchstpersönlich schenkte hier aus, als wir mit letzter Kraft in den Schatten krochen und Wasser bestellten.
Das Chaos wurde noch schlimmer, als meine bessere Hälfte feststellte, dass seine Brieftasche weg war. Alle Kreditkarten, Führerschein, Versicherungskarten und Ausweise. Da er ständig etwas verliert, hielt sich mein Mitleid in Grenzen und die Wut überwog. Er schob die Schuld auf den Anzug, der zu glatt gewesen sei und davon wollte ich gar nicht erst was hören. Schließlich trägt er nicht täglich Anzug, und es liegt an seiner mangelnden Aufmerksamkeit und der Schludrigkeit, wegen der wir diese Situationen ständig haben. Mit Roberto und Irenes Hilfe suchten wir noch die gesamte Kirche ab, als schließlich alle weggefahren waren, und wir suchten auch den ganzen Weg zurück zum Auto und das Auto selbst ab. Nichts. Die Stimmung war angespannt, während meine bessere Hälfte die Banken anrief, um die Karten sperren zu lassen und ich vor Wut kein Wort mehr sagte.
Die Fahrt zum Restaurant dauerte gute zwanzig Minuten und es war wunderbar als Zeitraum, dass sich die Nerven etwas beruhigen konnten, ehe wir ankamen. Als wir schließlich im Auto verschiedene Tomatenrezepte austauschten und beschlossen bald mal wieder gemeinsam essen zu gehen, da war die Stimmung wieder im grünen Bereich. Wir waren sogar so ausgelassen, dass wir an der Abzweigung zum Restaurant vorbeifuhren und damit noch einiges an Umweg in Kauf nehmen mussten...


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