Thursday, August 8, 2013

Die italienische Hochzeit III...

Mit Mailand im Blick ging es nach Norden. Ein Eis und eine Flasche Wasser beim Tanken und wir waren schneller vor Ort als erwartet. Endlos ging das Gekurve durch diverse Käffer, nach Mailand sah das alles so gar nicht mehr aus und schließlich quälten wir uns durch einige sonnige und mittelalterliche Straßen eines kleinen Örtchens, wohin uns das GPS hartnäckig gelenkt hatte. "Hier soll es angeblich sein", meinte Roberto und parkte die Karre mitten auf einem kleinen, aber leeren Parkplatz. "Dahinten ist ein Kirchturm". Der Kirchturm verschwand auf dem Weg zu Fuß durch die engen Gassen, ab und an tauchte er wieder auf und wir waren unsicher ehe uns Einheimische versicherten, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Nur auf einem umständlichen. Wir hätten auf der anderen Seite des Hügels parken können, auf dem die kleine Kirche stand, und quälten uns einen nicht enden wollenden Weg hinauf über einen Steinboden, den man großzügig dreidimensional angeordnet hatte, was tödlich für jeden Absatz ist. Inzwischen waren wir bei 35 Grad angelangt und freuten uns über die Kühle der alten Steinkirche, die uns willkommen hieß...ehe die rund 70 Gäste dort ebenfalls eingetroffen waren und alles wieder erhitzten. Ich wurde mal wieder daran erinnert, dass die Mailänder dreimal küssen (s. Beitrag "Deutsche küsst man nicht) und wir begrüßten einen sehr aufgeregten Bräutigam, der noch eine Hinterlist geplant hatte. Anstelle von Geschenken wollten sie ihre Gäste auf andere Art und Weise in die Feier einbinden und so wurden Posten verteilt. Meine bessere Hälfte sollte in der Kirche etwas vorlesen (lieber hätte er ein Geschenk für 500€ herangeschleppt!), Roberto wurde überraschend Trauzeuge, musste dann auch noch singen und so fanden sich gleich ein gutes Dutzend Gäste, die Orgel spielen, fotografieren oder vorlesen mussten. Alleine vier Trauzeugen gab es, was mich sehr gewundert hat. Der Gottesdienst war katholisch und sprachlich gut zu verstehen, auch wenn der Pfarrer da seine eigene Show draus machte. Er hatte diesen beseelten Gesichtsausdruck eines Vatikandieners und schien viel Sympathie für Braut und Bräutigam zu empfinden, die er seit Kindesbeinen kannte. Er erzählte viel Persönliches zwischen den offiziellen Teilen und lud auch Gäste ein Kommentare abzugeben. Auch wurde das Brautpaar in eine Diskussion zur Predigt verwickelt, sie mussten ihre Lieblingszitate daraus benennen und wieso ihnen diese Stellen wichtig seien. Das schien ungeplant zu sein, so überfordert wie sie dabei aussahen. Auch irritierte mich, wie der Pfarrer ständig von der "nuova famiglia" sprach, die jetzt entstanden sei mit der Ehe, denn strenggenommen gibt es diese Familie bereits seit vielen Jahren und auch an den Sohn waren sie nicht durch unbefleckte Empfängnis geraten. Aber gut, vielleicht gab es für diese Fälle einfach keine eigenen Bezeichnungen und so ging ich großzügig darüber hinweg; auch dass die Braut mit ihren 36 Jahren und dem Kind in der ersten Reihe unter einem Schleier erschien, wirkte zwar sehr professionell, aber irgendwie ungewöhnlich in diesem Zusammenhang. Sie sah so oder so toll aus mit ihrer zierlichen Figur und einem asymmetrisch geschnittenen one-shoulder-Kleid und war auch mit viel Applaus willkommen geheißen worden...


No comments:

Post a Comment