Thursday, August 8, 2013

Die italienische Hochzeit II...

Ein Hoch auf die Klimaanlage! Denn auch wenn es uns nur rund eine Stunde gekostet hätte um nach Genua zu kommen, gerieten wir prompt in einen Stau ab der Hälfte der Fahrt. Die vielen Tunnel auf der Strecke nahmen uns auch regelmäßig das Radio und die Handyverbindung, dabei warteten unsere beiden Mitfahrer doch bereits auf einem Parkplatz auf der Höhe von Genova Est und sie saßen auf heißen Kohlen. Roberto sollte in der Kirche singen und irgendwie musste so eine Art Soundcheck her und es fehlte die Absprache wann genau gesungen werden sollte. Ich fragte mich ob Irene auch singen würde, aber sie meinte später, das wäre blasphemisch gewesen. Hab ich nicht ganz verstanden, aber gut, so oft hört man Duette in Kirchen wirklich nicht. Mit einer rund zwanzigminütigen Verspätung kamen wir schließlich in Genua Ost an und ich war entsetzt darüber, wie hässlich es da aussah. Nein wirklich, so hatte ich es nicht in Erinnerung gehabt. Diverse Hochhäuser waren ins Tal zwischen den Bergen geklemmt, einen großen nüchternen Friedhof sah man ebenso, während wir über diverse Brücken irgendwie von der Autobahn abfuhren. 12€ Gebühr kostete die Strecke von rund 100km darüber hinaus.
"Ma come siete eleganti!" riefen Roberto und Irene, kaum dass wir aus dem Auto gesprungen und bei ihnen eingestiegen waren. Jetzt hieß es Zeit aufholen. Roberto verlangte von seiner schneidigen Karosse einiges ab und blieb dennoch völlig entspannt. "Le solite cose" - die üblichen Stücke sollte er singen, wie sie die meisten auf ihren Hochzeiten verlangen würden, darunter "Ave Maria" und etwas Lateinisches, das ich schon mal gehört hatte. Nicht vom Namen her, aber ich erkannte einige Passagen davon später in der Kirche. Mindestens eine halbe Stunde ging für ein gegenseitiges Update drauf. Wer welches Album gerade aufgenommen oder herausgebracht hat, wer welche Konzerte gerade hatte oder in den nächsten Tagen hat, wer mit wem gerade zusammenarbeitet und welche Probleme "la crisi" für die Musikszene bedeutet. La crisi hin oder her, meinen Neid haben sie dennoch, die ihr Geld mit so schönen Dingen wie Konzerten und TV-Auftritten verdienen, auch wenn ich weiß, dass sie hart arbeiten und mit vielen Vorurteilen zu kämpfen haben und dass auch das Haus Fornaciari kein Schlaraffenland ist. "Ma la Cat è svenuta?" hieß es plötzlich von vorne. Nein, ich war nicht ohnmächtig geworden, ich konnte nur schlicht und ergreifend nichts Sinnvolles zu diesem Thema beitragen. "Ma te cosa fai in questi giorni?" Tja, was tue ich... "Aktuell arbeite ich an keinem Album und bin auch nicht auf Tour" fasste ich zusammen. Ich schreibe und unterrichte und entwerfe und organisiere und übersetze und lerne...



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