Thursday, August 8, 2013

Die italienische Hochzeit I...

Ach, war das schön! Ja, vor genau einer Woche hat sie denn nun endlich stattgefunden, meine erste italienische Hochzeit. Überhaupt bin ich leider noch nicht auf vielen Hochzeiten gewesen, dabei ist das ja an sich schon so eine schöne Sache. Das frischverliebte Pärchen war gar nicht frisch verliebt, genauer gesagt leben sie bereits seit über zehn Jahren zusammen und haben bereits einen gemeinsamen Sohn von ca. 4 Jahren. Was sie jetzt bewogen hat zu heiraten, tja. Aber besser spät als nie. Da die Italiener bei einer Hochzeit nicht ihre Namen ändern können, habe ich unter diesem Umständen auch Mühe von einem "Zusammenwachsen" durch eine Ehe zu reden. Die Mutter behält ihren Namen, auch wenn sie verheiratet ist und das Kind erhält den Namen des Vaters, egal ob verheiratet oder eben nicht. Das nimmt dem Ganzen etwas seinen Charme aus meiner deutschen Sicht. (s. Eintrag "Die spinnen, die Italiener" von Januar 2013)
Aber so oder so, ich war sehr glücklich über die Einladung, die mir einen Trip nach Mailand bescheren sollte und das Wiedersehen mit einigen Freunden und Bekannten, die ich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. Der Bräutigam - Freund, Bandkollege und Geschäftspartner meiner besseren Hälfte - hatte noch Tage vor der Hochzeit überall verkündet, dass das Mitbringen von Geschenken mit der Todesstrafe geahndet werden würde. Nein nein, niemand solle auch nur daran denken, etwas zu schenken, denn sie bräuchten nun wirklich nichts und würden nun schon so lange zusammen wohnen, dass sie gar nicht mal wüssten, was sie noch gebrauchen könnten. Nicht mal zu ihrer dreiwöchigen Hochzeitsreise in die USA wollten sie einen Zuschuss haben - und das hätte ja nun mal wirklich Sinn gemacht. Bis zum Tag davor wurde dennoch eifrig herumtelefoniert, ob denn jetzt wirklich niemand etwas schenken würde, denn das kam uns allesamt gleichermaßen frevelhaft vor. Einige hatten aus der Not heraus ein Geschenk für das Kind gekauft - tja, besser als nichts, aber auf einer Hochzeit mit einem Geschenk für das gemeinsame Kind aufzutauchen? Ich weiß nicht. Am Ende also machten wir uns wirklich ganz ohne Geschenk auf die Reise.
Meine Schwiegermutter kam um auf Ludwig aufzupassen und sie hatte gleich einige der maßgeschneiderten Anzüge im Gepäck, die meine bessere Hälfte allesamt in Kleidersäcken in den großen Wandschränken bei seinen Eltern aufbewahrt. Was zieht man an, wenn es formal sein soll und das bei geschätzten 35 Grad am ersten August? Am Ende stand noch zur Auswahl ein dunkelblauer Nadelstreifenanzug oder ein uni anthrazitfarbener Anzug, beide aus tasmanischer Wolle - einem wunderbaren Stoff, der, egal bei welcher Strapaze, nicht knittert. Da ich am Ende ein dunkelblaues Kleid anzog, entschied sich meine bessere Hälfte schließlich für den Nadelstreifen. Ich hörte ihn über längere Zeit hinweg mit seiner Mutter im Streit über das Hemd und die Schuhe, und ich war froh, dass ich mich nicht einschalten konnte, da ich selbst am Vorbereiten war. Wir bekamen noch ein großes Kotelett zum Mittagessen gebraten, für das ich mich nicht erwärmen konnte und die Nerven lagen bereits blank, ehe wir auch nur losgefahren waren. "Ma come siete eleganti!" rief uns meine Schwiegermutter hinterher, als wir schließlich noch vor 12 Uhr mittags ins Auto stiegen. "Lass uns irgendwo in Ruhe einen Kaffee trinken", meinte meine bessere Hälfte und das war eine gute Idee. Das Thermometer war bereits auf 28 Grad geklettert...


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