Tuesday, August 13, 2013

Deutscher Haushalt - italienischer Haushalt...

Was sind meiner Erfahrung nach die Parallelen und Unterschiede?

Meine Leidenschaft fürs Abfüllen von Vorräten in Dosen und Gläser habe ich bislang in beiden Ländern geteilt gefunden. Hängt vielleicht auch mehr mit den Umständen zusammen, der Gefahr, dass sich Ungeziefer in geöffnete Packungen setzen kann, aber auch Staub wird zum Problem bzw. erschwerte Putzbedingungen bei einem Regal voller halbleerer Tüten, bei denen man nie genau sicher sein kann, ob nicht bei der Herausnahme einem schon die Hälfte des Inhalts entgegen kommen kann. Wohingegen gezielte Vorratshaltung meiner Erfahrung nach eher deutsch ist. Ich erlebe viele Italiener, die bei einem Sonderangebot gerne zwei bis drei Packungen mitnehmen, wobei eher aus Ersparnisgründen, als aus der Motivation heraus für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Hier liegt aber die Betonung auf "meiner Erfahrung nach", denn das kann sich gut und gerne in anderen Familien grundlegend unterscheiden.
Eine Parallele, die mich selbst überrascht hat, ist hingegen die Mülltrennung. Gut, ich kenne einige Gegenden in Deutschland, wo man das dermaßen akribisch betreibt, dass man im Alltag damit wirklich seine Last hat - da wo ich herkomme allerdings gab es die verschiedenen Tonnen draußen und grob vorsortiert wurde alles bereits in der heimischem Küche. Dennoch war der Restmüll unverzichtbar. Auch hier in der Toskana wird fleißig getrennt, nicht nur in großen Containern auf den Straßen, auch auf Bahnhöfen, Flughäfen und anderen öffentlichen Plätzen: Glas für verschiedene Farben, Papier, Plastik, Organisches. Ehrlich gesagt ein Umstand, mit dem ich nicht gerechnet hatte.
Noch zum Thema Müll: was mich im Rahmen dessen hier wirklich nervt, ist der Umstand, dass alle Familien, die ich hier erlebt habe - und zwar wirklich ohne Ausnahme - keine Mülleimer in der Küche besitzen, sondern alles in aufgehängten Plastik-Einkaufstüten sammeln. Die bevorzugt an Heizkörben oder Schubladenknäufen hängen. Einer meiner ersten Anschaffungen war ein großer, roter Metalleimer in Form einer Mülltonne. Der wird auch benutzt, aber nur wenn ich da bin. Bin ich mal eine Woche weg, dann finde ich mit 90%iger Wahrscheinlichkeit wieder irgendwo eine Plastiktüte hängen.
Spülmaschinen sind beliebt hier wie da, aber wenn man etwas mit der Hand spült, dann gehört Abtrocknen für den deutschen Haushalt im Allgemeinen zum Geschäft dazu. Nicht hier. Hier haben bereits die Geschirrschränke keinen Boden. Alles gespülte Geschirr wird nass in die Ständer im Schrank gestellt, wie man sie als Ständer aus den Spülmaschinen kennt. So tropft das Geschirr alleine ab und trocknet dabei - Vorteil: Zeitaspekt. Nachteil: es bleiben immer fiese Tropfenflecke auf den Gläsern, die irgendwie einen schmutzigen Eindruck hinterlassen.
Apropos: meiner Erfahrung nach wird auch Kaputtes in Italien um ein wesentliches mehr toleriert als in Deutschland - angeschlagenes Porzellan, Türen, die nicht richtig schließen, Uraltgeräte, Möbel voller Kratzer und Macken. Vielleicht passend zu den teils sehr alten Häusern, in denen bereits die Bodenfliesen seit 200 bis 300 Jahren dieselben sind und dementsprechend abgenutzt, und wo Erdbeben und der Holzwurm ebenso ihre Spuren hinterlassen haben wie die Tradition, Möbel aus der Familie immer an nächsten Generationen weiterzureichen, anstatt sie auszumisten.
Der absolute Schockeffekt für mich allerdings war die 3000-Watt-Grenze in den Häusern. Man kann mehr beantragen, das kostet aber. Ich habe mit der Zeit lernen müssen, bei der Benutzung von Strom genau aufzupassen. Nicht nur, weil der Strom hier alles andere als billig ist, sondern eher, weil bei gleichzeitiger Benutzung von Fön und Staubsauger einem die Sicherung um die Ohren fliegt. Es galt also zu lernen, welches Gerät wie viel Watt bedeutet. Und da liegen Staubsauger, Fön und Wasserkocher ganz vorne mit rund 2000 bis 2300 jeweils. Mit gut 1000 Watt dabei sind Warmwasserboiler, Standheizung und Küchenmixer. Und ganz unten mit rund 1 bis 2 Watt die Ladegeräte...



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