Friday, July 5, 2013

Das ist doch keine Frage...!

In vielem ist die italienische Sprache der deutschen gar nicht so unähnlich. Die Syntax hat viele Parallelen und nur hin und wieder muss man das eigene Sprachgefühl den unbekannten Regeln weichen, viele Wörter kennt man eh oder aus dem Lateinischen oder aus dem Englischen und die Aussprache folgt auch einer strengen Logik. Seltsam ist es, dass der Satzbau einer Frage nicht anders ist als der einer Aussage. Das heißt um "Luigi is draußen" von "Ist Luigi draußen?" zu unterscheiden, muss einzig und allein die Satzmelodie herhalten. Was die Grammatik wieder mal vereinfacht - wie so oft im Italienischen. Muttersprachler behaupten zwar immer die Grammatik habe es in sich, aber bislang entspricht dies in keinster Weise meiner Beobachtung. Vielleicht ist es ja soweit, sobald ich mal in die höheren Weihen des C-Levels (Europäischer Referenzrahmen) vorgedrungen bin. Oder aber die Italiener sind schlicht und ergreifend verweichlicht was Grammatik angeht. Oder wie kann man sich erklären, dass sie die bereits simplen Fragen noch weiter vereinfachen und so häufig auf ein einziges Wort herunterschrauben? Vielleicht ist es ja auch nur ein regionales Phänomen, aber ich musste mich erstmal daran gewöhnen, dass die doch sonst so sprechfreudigen  Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder bei Fragen so faul daher kommen. Wenn ich gerade aus Deutschland zurück bin, dann fragt meine Schwiegermutter typischerweise: "La Germania?" Was dann soviel heißt wie "Welche Neuigkeiten gibt es aus Deutschland bezüglich des Wetters und der politischen Lage?", Cousin Massimo fragt meine bessere Hälfte hingegen gerne: "Suonare?" Was dann soviel heißt wie: "Wie läuft es gerade mit der Musik - sitzt du an einem neuen Album oder hast wieder ein Konzert und wenn ja, wann?" Sehr oft hört man auch bei Gesprächen über die langen Schlangen im Supermarkt hinweg: "La mamma?" anstelle von "Und wie geht's deiner Mutter - ist sie wieder fit?" und nicht zu vergessen die allgemeine Schmerzfrage: "Lavoro?", die man mit der ebenso einfachen Schmerzantwort: "Niente" schnell vom Tisch fegt. Wobei es noch kürzer als "Niente" geht. Beliebt sind nämlich allgemein auch die Antworten "mah", "eh" oder "boh", die in sich zuviel Bedeutung haben, als dass man akkurat passende Übersetzungen dafür liefern könnte. Ist ja auch wurscht, das Wetter ist heute viel zu schön, als dass man sich allzu lange mit Linguistik vor dem PC aufhalten sollte. Mache ich mich lieber fertig und hole Mann und Hund in Massimos Bar ab. "Da bere?" - "Booooh..."


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