Friday, June 14, 2013

Und täglich grüßen die Besucher II...

Heute war auf einmal noch ein unbekannter Mann im Garten, der sich an unserem Bambus zu schaffen machte. Cesare hatte ihm das Tor geöffnet, denn es war wohl ein Freund von ihm, der über unsere Köpfe hinweg eingeladen worden war, um...ja, ich weiß nicht mal, warum. Kaum dass er grüßend an mir vorbeigegangen war, fragte er auch schon Cesare, wer ich denn sei. "Das ist die fidanzata von meinem Neffen", kam als Antwort, während sie hintereinander durch die Reihen von Tomatenpflanzen schritten und dann im Bambuswald verschwanden. Wer er war, hätte ich auch gerne gewusst, immerhin wohne ich hier! Als irgendwann wieder Stimmen im Garten waren, fragte meine bessere Hälfte, wer das denn sei. Ich sagte, dass das irgendein Freund von Onkel Cesare sei, den er wohl eingeladen hatte und dass ich mich jetzt ans Streichen machen würde, egal, wer hier noch alles aufkreuzen würde. "Das ist kein Freund von Cesare, das ist Umberto!" entgegnete meine bessere Hälfte, kaum dass er einen Blick in den Garten geworfen hatte. "Aber ein Freund von Cesare ist ebenfalls im Garten", betonte ich nochmal, ehe Umberto das Tor geöffnet wurde. Er kam auch nicht alleine, er hatte ebenfalls einen Freund mitgebracht und sie wollten Fotos von meiner besseren Hälfte mit seiner neuen Gitarre machen. "Du streichst hier die Außenwand? Bravaaaaa!", hörte ich kurz darauf anerkennend von den Neuankömmlingen. Hinter ihnen trugen Cesare und sein Freund gemeinsam verschiedene Stapel von 8 Meter langen Bambusrohren hinaus auf die Straße und waren dann für mehrere Stunden verschwunden. Solange nicht auch noch meine Schwiegermutter vorbeischaute, war mir alles egal. Sie hatte bereits gestern unangekündigt auf der Matte gestanden, als wir hier bis zu den Knien im tiefsten Dreck gestanden hatten und das Haus ein einziges Chaos war. Am Vormittag war unser neues Bett geliefert worden. Das hieß das Bett, in Einzelteilen, ein Lattenrost und eine überdimensionale Matratze. Das Gestell und die Matratze, das ging ja noch. Mit vereinten Kräften hatten meine bessere Hälfte und ich alles nach oben in den zweiten Stock getragen, aber der Lattenrost - der ging nur bis in den ersten Stock. Dann ging nichts mehr. Weil das Haus so uralt ist und unkonventionell gebaut und überhaupt keine gerade Wand und kein rechter Winkel zu finden sind, ließ sich der Lattenrost auch nicht durch die Treppe nach oben tragen. Wir zerkratzten zwei Wände und rammten ein tiefes Loch in eine Zwischentür und dennoch war nichts zu wollen. Mit großem Aufwand versuchte meine bessere Hälfte das Dingn telefonisch wieder umzutauschen und dafür zwei einzelne Lattenroste zu bekommen und ziemlich angefressen schleppten wir den Metallrahmen wieder nach unten in den Keller. Dort steht er nun, riesengroß und mit ihm noch sämtliches Verpackungsmaterial des restlichen Bettes und der Matratze und in weiterer Gesellschaft der beiden alten Matratzen, die ich zusammengerollt und verklebt habe. Doch auch noch Musikequipment, altes Brennholz und verschiedene Putzmittel und Gartenutensilien befanden sich dort im fröhlichen Durcheinander. Im Wohnzimmer hatten wir sämtliches Mobiliar für den Bettentransport zur Seite gerückt, das schmutzige Geschirr türmte sich in der Küche und vom Boden wollen wir erst gar nicht reden, denn vom Kühlschrank war Wasser ausgelaufen und das hatte sich mit umherfliegendem Hundetrockenfutter gemischt und dann hatte Ludwig auch noch welkes Gemüse aus dem Mülleimer herausgeholt und - ach, ist ja auch egal. In dem Zustand stand dann meine Schwiegermutter vor der Tür, weil sie einen Beistelltisch abgeben wollte und das letzte, was wir gebrauchen konnten, war ein Besucher, dessen Leidenschaft es ist mit einem strafenden Blick unaufgefordert zu putzen. Ja, es gibt so Tage, da sehnt man sich vergebens nach eigenen vier Wänden, die - egal, ob chaotisch oder porentief rein - nur einem selbst gehören und in denen man tun uns lassen kann, was man will. Sogar im Schlafanzug...oder nackt...


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