Saturday, June 15, 2013

Kurve kratzen oder ab ins Bett?

Mit der Motivation ist das so eine Sache. Sie kommt und geht ohne ersichtlichen Grund, man kann sich nicht auf sie verlassen und schon gar nicht mit ihr planen. Nach dem gestrigen Monsterarbeitstag hatte ich fälschlicherweise angenommen, dass ich heute gleich so weitermachen würde. Aber dann quälte ich mich kurz nach 9 mühsam aus dem Bett, draußen war der Himmel leicht verhangen, und meine bessere Hälfte hatte mir als Überraschung einen Kaffee und 4 Kekse ans Bett gebracht. Obwohl mir noch das Abendessen schwer im Magen lag, langte ich gleich richtig zu und ärgerte mich sogleich wieder maßlos über mich selbst. Ein voller Magen macht träge, die Arbeit fällt viel schwerer und welch Freude, wenn die Kleidung schon beim Anziehen spannt. Unmotiviert stieg ich im Bad über einen Stapel Schmutzwäsche auf dem Boden, der längst in der Wäschetruhe hätte gelandet sein sollen. Im Nachbarzimmer machte sich Ludwig daran die neue Matratze aus ihrer Plastikummantelung zu beißen. Beide Föne überhitzten sich nach nicht mal einer Minute und so setzte ich mich angefressen und mit nassen Haaren vor meinen Laptop. "Du musst noch ins Bad, oder?", fragte meine bessere Hälfte nach einem skeptischen Blick. "Nein, ich war da bereits über eine halbe Stunde - ich kann mir nur nicht die Haare fönen, weil beide Föne kaputt sind!" - "Und wie hast du das geschafft? Ich hab in meinem Leben noch nie einen Fön kaputtgemacht. Vielleicht sind da ja Haare drin!" - "Auch Föne können kaputt gehen. Immerhin sind beide rund 5 Jahre alt."
Ich konzentrierte mich auf das Internet. Vielleicht gab es ja gute Neuigkeiten, die mich aufheitern würden. Aber weder eine der lange erwarteten Mails war da, noch hatte ich neue Verkäufe in meinem Shop, noch die Lust neue Designs zu entwerfen."
Ludwig schaute mich lange an und seufzte dann laut. Ich entschloss mich, mich anzuziehen und dann mit ihm im Garten zu spielen. Gassi war heute nicht mein Ding, nachdem ich gestern dabei hingefallen war und mir einen Finger aufgeschnitten hatte. Ich würde Ludwig also stattdessen mit der Gießkanne durch den Garten jagen. Er machte aber nur einige Meter lang mit, dann zog er es vor mit Anlauf in seine neue Spielecke, die abgeschnittenen Bambuszweige, zu springen und sich dort zu wälzen. Dann würde ich also die Zeit nutzen und im Bambuswald weiter aufräumen. Ich fällte einige 10 Meter hohe Bambusstämme und merkte dabei, wie unglaublich es schwül es heute war. Ludwig schien mich schließlich zu vermissen, rannte zu mir in den Wald und sprang mir auf den Rücken, während ich in der Hocke mit aller Mühe Bambus sägte. Bei dem Versuch ihn abzuschütteln, jaulte er mir laut in die Ohren und meinte, dass lange Krallenkratzer auf dem Rücken mich zum Spielen animieren würden. Seine Krallen sind nicht spitz, aber wenn er sie ins Fleisch jagt, dann tut das richtig weh. Und während ich ihn verfluchte, fielen trockene Blätter und Ameisen vom Bambus auf uns hernieder. Als ich die gefällten Stämme schließlich aus dem Wald zog, war Ludwig wieder in seinem Element, machte sich wichtig und half mir dabei den Bambus in den Unterstand zu tragen, wo wir ihn zerlegten. Es lief gut, bis ich mir mit einer ungünstigen Bewegung der Gartenschere einen Fingernagel zertrümmerte und beim darauffolgenden Aufhebens der Schere vom Boden Ludwig in dem Moment wie ein Widder meinen Kopf rammte. Ihm machte es nichts aus, aber ich verfluchte mal wieder den Tag...


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