Thursday, May 23, 2013

Tutti a casa...

Für jemanden, den Politik normalerweise wirklich nicht die Bohne interessiert, war ich heute mächtig aufgeregt: Beppe Grillo kam zur Kundgebung auf die Piazza Garibaldi, wie immer im Wohnwagen vorgefahren und erwartet von einer jubelnden Menge, die sich erst in letzter Minute zusammengefunden hatte. Zum einen lag es daran, dass die Stadt hier tendenziell immer kommunistisch geprägt war, aber auch, dass an einem Wochentag mitten am Nachmittag auch all jene, die noch einen Job haben, sich genau dort aufhalten und eben nicht für eine Oretta verschwinden können, um sich eine politische Kundgebung anzusehen. Dafür war es dann dennoch recht voll, kaum, dass Grillo die Bühne betreten hatte. Es ist komisch, wenn man sich mit angesprochen fühlt, wenn es "noi italiani" heißt, denn es wird ja von einer ganz anderen Kultur als der eigenen gesprochen, die man eigentlich von außen betrachten müsste. Aber die Lage - gerade was die Wirtschaft angeht - betrifft ja alle, die hier leben und arbeiten bzw nicht arbeiten, weil sie keine Arbeit finden. Also eben doch "noi italiani". Und die Message kann in meinen Augen ohnehin jeder nachvollziehen, auch wenn er kein Italiener ist. Eine Message, die ich in vollem Maße teile, auch wenn heute noch weitere Punkte angesprochen worden sind, die mir neu waren, die mich aber sehr positiv überrascht haben. Tja, wenn man hier nur wählen könnte - denn in diesem Punkt ist es nicht mehr "noi italiani", sondern "voi italiani" für mich. Sprachlich kam ich erstaunlich gut zurecht, auch wenn ich meine Hörverstehenskompetenz bei einem sich völlig in Rage geredeten heiseren Grillo auf bis zu 70% etwa herunterschrauben musste. Ich hatte erwartet gehabt einer derartigen Rede im Grunde gar nicht folgen zu können. Und selbst wenn er Schauspieler ist - mit einem Theaterstück haben die Kundgebungen nichts zu tun. Dafür ist die Lage zu ernst. Und das wissen die Beteiligten. Mich ärgert jedes Mal aufs Neue, was die deutschen Medien aus diesem Fall machen und mit welchem Spott dementsprechende deutsche Leser das Ganze schließlich kommentieren. Ich verurteile sie nicht dafür, ich sehe vielmehr mit totalem Entsetzen, welche Macht die Medien weltweit haben und wie sehr sich Leser auf diese Form von Propaganda einlassen.
Die Kundgebung fand ich durch die Bank weg gut gemacht. Der Auftritt war hingegen nicht so charismatisch wie ich erwartet hatte, es war keine Show für Fans, es stand tatsächlich der Inhalt im Mittelpunkt und ich hoffe, dass sich heute neue Wähler haben mobilisieren lassen. Nach einer Stunde verabschiedete sich Grillo von den Versammelten und fuhr zur nächsten Kundgebung. Und während dann die Lokalpolitiker der Partei Cinque Stelle fortfuhren, haben wir uns wieder auf den Weg nach Hause gemacht um noch einige Arbeiten erledigen zu können.





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