Tuesday, May 28, 2013

Hoch hinaus...

Da weiß man's eigentlich besser und liegt dann doch wieder daneben: als wir in dieses Haus eingezogen sind, war da der Gruselfaktor pur! Vollständig eingerichtet mit Möbeln von der Jahrhundertwende bis in die 60er und der Vorbesitzer schien gerade nur mal aus der Tür zu sein - immerhin lagen noch Notenblätter und eine Lesebrille auf dem Esstisch, angebrochene Flaschen Alkohol lagen im Keller wie nach einer Party am Vorabend. Man traute sich gar nicht, sich hier niederzulassen, in der Erwartung, dass hier jede Sekunde ein Hausherr das Zimmer betreten würde und entrüstet fragt, was man denn in seinem Wohnzimmer verloren hätte. Damit nicht genug waren insbesondere die Räume, die noch voll eingerichtet, aber schon seit vielen Jahren nicht mehr benutzt worden waren, sehr unheimlich. Lange Spinnweben hingen von den Decken auf die Betten, die wohl in den 90ern das letzte Mal neu bezogen worden sind; der Holzwurm hatte sich durch Holz und Papierberge gefressen, verschiedene Insekten hatten Eier in Ecken abgelegt, die schon lange nicht mehr geputzt worden waren und das Schlimme war - der Inhalt war längst geschlüpft und hatte eigene Familien gegründet. Dazu kam, dass wie immer alle Fensterläden verrammelt waren und es eine Zeitlang dauerte diese wieder aus ihrer Steifheit zu lösen. Dabei half es nicht, dass einige der Deckenlampen nicht mehr funktionierten oder aber mit einer 25 Watt Birne kaum Licht in diese verlassenen Winkel werfen konnten.
Lange Rede, kurzer Sinn: das Haus war voll, dunkel, schmuztig und unheimlich als wir es zum ersten Mal betreten haben. Ich ahnte ja, dass man das würde komplett ändern können auch wenn es jede Menge Geld und noch mehr Arbeitsstunden bedeuten würde. Und nun sind wir tatsächlich in die Winkel des Hause vorgedrungen. In jeden Winkel? Nein, der Vorraum zum Dachboden war noch in den Händen des Verfalls, des Schmutzes und des Grusels. Und dabei geht dieser direkt vom zukünftigen Schlafzimmer ab, ist also näher als man denkt. Diesen rund zwei Quadratmetern mit Treppenabsatz und eigenem Fenster habe ich mich dann nun endlich gewidmet. Es dauerte rund zwei Stunden den Müll zu entfernen, Hüllen von großen Hornissenkadavern, Staub, Putz und zu Wänden und Boden völlig durchzudringen, Risse auszubessern und den Wänden einen ersten Anstrich zu verpassen. Und kaum sieht das Räumchen wie ein ziviles Zimmer aus, schon regt die Phantasie sich wie man diesen einstigen Gruselflecken nutzen könnte. Platz wäre für ein Regal, einen kleinen Tisch mit Sessel - und schon ist der Run auf die Ecke zwischen mir und meiner besseren Hälfte entbrannt. Jeder will sie nun haben, hier ganz oben unter dem Dach mit dem Fenster mit dem einmaligen Blick über die ganze Stadt. Am Ende entschieden wir, dass das unser privates Rückzugsräumchen sein sollte, wo man vielleicht mal ein Buch lesen kann oder aber gemeinsam einen Drink einnimmt, ganz zurückgezogen vom Rest. Wieso habe ich mich nur nie zuvor bereits dem Raum gewidmet gehabt? Sobald das Fenster ausgebessert worden ist, ein zweiter Anstrich erfolgt und auch das Schlafzimmer bezogen worden ist, werden endlich auch die zwei "neuen" Quadratmeter mit neuem Leben erfüllt...kann's kaum erwarten...


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