Friday, May 24, 2013

Geräusche, Gerüche und Visionen II...

Aber nicht nur scheinbar Unerklärliches geschieht in diesem Haus - einiges lässt sich auch ohne Frage gleich der Natur zuordnen. So habe ich beispielsweise noch nie derartigen Wind gehört. In bester S/W-Gruselfilmmanier pfeift der Wind ums Haus, wenn er denn pfeift. Das klingt so unnatürlich, dass Ludwig in solchen Nächten hartnäckig wach bleibt und sich wahlweise verkriecht (was er sonst niemals tun würde) oder aber allem Schlafbedürfnis zum Trotz mal rechts und mal links neben dem Bett Wache hält. Im März bin ich einmal nachts aufgewacht, weil es kalt im Zimmer geworden war. Und während ich mich fester in die Bettdecke einwickelte, dachte ich noch so im Halbschlaf "Dieser Wind zieht wirklich unangenehm durchs Zimmer". Erst nach einem Moment fiel mir auf, dass der Wind im Zimmer gar nichts zu suchen gehabt hatte. Dennoch war er anwesend und auf einmal war ich hellwach. Ein Fenster hatte sich von selbst geöffnet und stand nun sperrangelweit auf. Und das mitten in kältester Nacht. Schaurig.
Aber nichts gegen die Gewitter hier: durch die Berge und das Tal hinter dem Haus hallt es hier ganz besonders schön. Normalerweise finde ich Gewitter eher gemütlich; aber hier nehmen sie geräuschliche Dimensionen an, das ist schon nicht mehr feierlich. Die Blitze peitschen regelrecht herunter und der Donner lässt die Fenster beben, ehe er den kompletten Boden durchschüttelt. Ich denke ein Erdbeben hier fühlt sich ganz ähnlich an.
Doch auch die Menschen hört man hier intensiver als erwartet. Im Haus nach vorne wird regelmäßig laut gelacht und gesungen, was man auch durch die Wände hört. Ebenso nimmt man wahr, wenn Tische und Stühle gerückt werden und das bei diesen meterdicken Wänden! Die Nachbarn nach hinten raus hört man vor allen Dingen, wenn sie ihre Treppe hochmarschieren. Denn das hört sich so an, als wären sie bei uns im Haus. Besucher, die zu dieser Zeit hier sind, rechnen im ersten Moment immer mit einem Einbrecher. Harmloser ist es, wenn man im Bad das Fenster offen stehen hat und jene Nachbarn gerade eine Mahlzeit in der Küche einnehmen. Durch ihr geöffnetes Dachfenster dringt absolut jedes Gespräch zu uns durch und zwischen Tellerklappern und Besteckklimpern gibt es auch regelmäßiges Babygeschrei zu hören. Aber es geht auch noch direkter: eines Tages wollte ich im Bad mit geöffnetem Fenster gerade eine Dusche nehmen, da öffnet sich auch das Dachfenster der Nachbarn und heraus steigt ein Mann von der Telekom, der über unser Dach marschierend sich an einer Antenne zu schaffen macht. Seitdem ziehe ich auch Besucher in Betracht ehe ich mich da oben im Bad auf Dachhöhe allzu sicher fühle...




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