Wednesday, May 8, 2013

Der verlassene Tante-Emma-Laden II

Ein Tag ohne weitere Verpflichtungen. Ich wäre ja fast ausgerastet vor Begeisterung. Wenn das Wetter mitspielt, würde ich mich sogleich an die Arbeit im Tante-Emma-Laden machen. Erst ein Gruselvideo zur Bestandsaufnahme, denn jeden Winkel kann man nicht auf Papier bannen. Kaum hochgeladen hat eine Freundin sogleich passend die Titelmusik von Hitchcocks "Psycho" ergänzt - sehr passend und höchst unterhaltsam - zusammen mit dem Shop-Video angeschaut.
Im Grunde konnte ich es kaum erwarten endlich loszulegen. Die große Frage war nur: womit?? Denn Arbeit ist dort genug zu erledigen, man weiß nur schlichtweg nicht an welcher Ecke man anfangen sollte. Ich beschloss zunächst einmal große Mülltüten bereit zu legen und dann wegzuwerfen, was wegzuwerfen war. Gleichzeitig sammelte ich Holz in einer Ecke, Marmor in einer anderen Ecke und in die Mitte alles, was man irgendwie verwenden konnte. In die Säcke kamen alte, leere Plastikkanister, Arbeitshandschuhe, Stofffetzen, leere Dosen, Bruchstücke von Fliesen, vertrocknete Zweige und Blumen, leere Zementsäcke, alte Pinsel. Die Liste könnte noch ewig so weitergehen. Nach einer halben Stunde hatte ich mich zum Kamin durchgeschlagen. Ein Kessel hängt noch in der Feuerstelle, also wird er funktionieren. Der gemauerte Herd hingegen bröselte unter meinen Händen in sich zusammen. Mit jedem weiteren fallenden Stein kam mehr Staub aus den halbhohen Löchern, die Marmorbegrenzung an den Seiten war kurz davor aus ihren - nun - "Angeln" zu fallen. Und der Putz fiel. An allen Ecken und Kanten. Fegen war also bis auf Weiteres sinnlos. Ich fand Heiligenbilder und einen verstaubten Rosenkranz, was auch immer die im Herd verloren hatten. Eine einzige lebende Spinne traf ich an, der Rest waren Kadaver. Eine Zeitung von 1994 - offenbar hatte man in dem Jahr irgendetwas an dem Geschäft machen wollen. Weit war man jedenfalls nicht gekommen.
Während sich im Vorraum weiter Holz und Marmor stapelte, verließ ich den Küchenraum des Geschäfts, nachdem ich so viel Putz wie möglich von den Wänden geklopft hatte, und wandte mich dem Verkaufsraum zu. In der Hauptsache sieht der Raum noch immer toll aus - Marmortresen, Marmorwände, Marmorfliesen. Muss ein Vermögen gekostet haben, das alles zu bauen. Dann wäre da noch säckeweise festgewordener Zement, ein stinkender Kühlschrank aus den 50ern, rostige Nägel, original verpackte Kisseninlays, eine Standheizung aus den 60ern, ein alter abmontierter Rollladen, ein staubiger Besen, eine rostige, große Antenne, einige alte Stühle ohne Sitzfläche, ein zerlegtes Bettgestell und rund 10 große Weinballons in Plastik- oder Weidenkorb. Das außenrum war eklig, staubig, voller Kadaver und Spinnweben. Die Flaschen als solche aber sehr schön. Mit Ludwigs Hilfe gelang es mir die Körbe um die Flaschen zu entfernen und diese auf den Tresen aufzureihen. Nach drei Stunden Arbeit und 6 gefüllten großen Müllsäcken à 100L war Schluss für heute. Wir können es kaum erwarten die Räume endlich nutzbar zu machen! Morgen geht es weiter...


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