Wednesday, April 17, 2013

Nein, im Grunde noch einer...

Jawoll, fast noch ein perfekter Tag, wenn auch nicht dokumentiert und ursprünglich auch gar nicht erwartet. Aber heute Morgen bekamen wir überraschend Besuch von Onkel Cesare, der meinte, der Garten müsste mal vom Unkraut befreit werden. Recht hatte er. Wäre er nicht gekommen, wäre das Ganze nicht heute gleich worden! Eine Fügung des Schicksals. Es war so warm, dass wir beide Türen zum Garten und zum Innenhof den ganzen Tag aufstehen lassen konnten. Ich habe meine neuen Pflanzen in den Garten integriert und war vom angenehmen Erd- und Grasgeruch umgeben, der jetzt aus allen Ecken strömte. Das ist das pure Sommergefühl. Später fand ich mich im Hotel wieder, wo ich überraschenderweise eine völlig entspannte und nette Stunde blieb. Es kamen zwei alte französische Männer auf der Suche nach einem Hotel vorbei, die zu Fuß von Frankreich zum Papst unterwegs waren. Sie bekamen einen Stempel in ein Pilgerheftchen und stellten die einzigen nichtdeutschen Gäste dar, die das Hotel derzeit beherbergt. Überhaupt kommen fast nur Deutsche bzw Österreicher - sprachlich also starke Heimatgefühle. Im positiven Sinne. Laut singend fuhr ich im Anschluss wieder nach Hause, ließ das Meer hinter mir und packte wie so oft Mann und Hund ein und dann gönnten wir uns diesmal einen Absacker bei Cousin Massimo. In der warmen Sonne genossen wir ein Glas Prosecco, während wie immer dieselben Nasen dort herumhingen. Von keinem einzigen kenne ich den Namen, aber das spielt irgendwie auch keine Rolle. Jeder duzt jeden, und wenn man einen davon sucht - wie meine bessere Hälfte, der ein Musikequipmentteil an eine dieser Nasen verkaufte - dann weiß man, dass man ihn (oder sie) dort in der Bar findet. Die meisten dieser Stammgäste sind ohnehin sehr freundlich. Nur selten mal gibt es einen Skandal wie diesen schrumpeligen, dünnen Mann, der täglich mit seinem alten Fiat vorfuhr, innerhalb kürzester Zeit blau war und mich dann in Endlosschleife zu Hitlers Kartoffeln in Berlin befragte. Ich hielt den Kerl für einen arbeitslosen Trinker, in Wahrheit allerdings handelte es sich um einen, der für das Gesundheitsamt arbeitet. Und der am Ende des Tages tatsächlich in dem Zustand wieder in seinen Fiat stieg und davonfuhr. Bis man ihn im Sommer in eine Entzugsklinik gesteckt hat. Seitdem habe ich ihn nie wieder gesehen. Glücklicherweise. Sonst hätte ich die Absacker dort auch wirklich nicht so schön genießen können...


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