Friday, April 19, 2013

Auf Stippvisite...

Auf Kurzbesuch in Deutschland reißt meine Liste der Verpflichtungen einfach nicht ab. Alle drögen "Geschäfte", die jetzt anstehen, sorgen nicht gerade für Freudenschreie: Steuererklärung und Organisatorisches mit Versicherungen. Bin ich froh, wenn diese Themen vom Tisch sind. Ein netter Aspekt beim Papierkram: ich halte auch meinen ersten Autorenvertrag in Händen. In doppelter Ausfertigung muss ich einen davon unterschrieben zurück an den Verlag senden - mit meiner korrigierten Geschichte, die nach beendetem Lektorat bald hier eintreffen müsste. Ich habe keine Vorstellung, was man an Änderungswünschen einbauen wird und hoffe, dass es nicht viele Punkte sind. Aber so ist das für jeden Autor, egal ob neu oder sehr erfahren und mit hohem Bekanntheitsgrad - am Lektorat kommt kein Buch vorbei.
Mein Kurztrip begann gestern sehr früh am Morgen, aber auch sehr entspannt. Zum allerersten Mal gab es auch einen fröhlichen Chat mit der Frau hinter dem Ticketschalter im Bahnhof, die sonst eher immer mies gelaunt ist. Eingekeilt zwischen mehreren Studenten machte ich mich also auf den Weg nach Pisa und zum Flughafen. Da ich in der Tür stand, fand ich mich öfters in der Situation, Passagieren auf den Bahnsteigen Auskunft über den Zug zu geben, da offenbar einige Anzeigetafeln in den Bahnhöfen nicht aktualisiert waren. "A Pisa questo?" fragte die erste. "Si", sagte ich. "A Firenze questo treno?", fragte jemand. "Si", sagte ich. "Per La Spezia questo, giusto?", fragte die nächste. "No, a Pisa", sagte ich. "Also ihr fahrt in diese Richtung weiter? Sicher?". Ja, Richtung Pisa, nicht Richtung La Spezia. "Scusi, Signora", sagte der Schaffner, der hinter mir an der Wand die Türverriegelung betätigen wollte. Ein undankbarer Stehplatz, den ich da ergattert hatte. In Pisa floss ich mit dem Strom der Studenten und Pendler aus dem Zug auf den Bahnsteig. Nur mit Handgepäck bewaffnet, hatte ich diesmal nervig viel in den Händen zu tragen. Eigentlich handelte es sich nur um eine Wasserflasche und mein Zugticket, aber beides ging mir so auf die Nerven, dass ich beschloss mich schnell davon zu befreien, kaum dass ich aus dem Zug war. Ich leerte meine Flasche und gab sie pflichtbewusst in den Plastiksammler; das Zugticket in den danebenstehenden Papiersammler. Fast wie befreit durchquerte ich die Gleisunterführung bis zum Ende, um dort den Zug zum Flughafen zu nehmen. Der Schock traf mich erst, kaum, dass ich schon auf dem Bahnsteig stand. Was um alles in der Welt hatte mich geritten mein Ticket wegzuwerfen?! Ich war doch noch nicht angekommen, ich war nur dabei umzusteigen! Könnte ich dem Schaffner im zweiten Zug logisch erklären, dass ich mal ein Ticket gehabt hätte, dies aber beim Umsteigen weggeworfen hätte? Kein Mensch würde das glauben. Ich würde eine Strafe zahlen müssen und vielleicht meinen Flug verpassen. In völliger Panik eilte ich wieder in die Unterführung. Ich brauchte mein Ticket zurück, und wenn ich mit dem Kopf in den Mülleimer musste! Es durfte nur niemand sehen. Ich zählte die Eimer ab, bis ich an dem angelangt war, in den ich mein Ticket geworfen hatte. Unauffällig scannte ich den Einwurf, an dem man leider nichts sehen konnte. Zu viele Menschen liefen vorbei; so würde das nie was werden. Auch neben dem Mülleimer herumzustehen, wirkte total bescheuert. Angestrengt warf ich einen erzwungenen Blick auf den benachbarten Abfahrtsplan der Züge. Ich musste mir wirklich etwas einfallen lassen. In dem Moment erkannte ich, dass der Strom der Menschen in der Unterführung nicht nur hinderlich war: ein Bediensteter der Bahnhofs mit Besen und Tüten ausgestattet war unter ihnen. Der Mann war meine Rettung: "Arbeiten Sie hier?" rief ich ihm in meiner Aufregung in grauenvoll gestammelten Italienisch zu. "Mir ist etwas ganz, ganz Dummes passiert..." Nachdem ich ihm von meinem Ticket in dem Papiersammler berichtet hatte und ihn fragte, ob er mir den Sammler öffnen könnte, da meinte er nur "Aber sicher!" und hob einfach die Abdeckung hoch. Schön blöd. So einfach ging das? Mein Ticket lag da ganz unten neben einem benutzten Taschentuch. Ich griff danach noch schneller als der Mann seine Hand danach ausgestreckt hatte, schrie ihm mit mehreren Verbeugungen "grazie mille!" zu, rannte wieder auf den Bahnsteig und ärgerte mich über mich selbst. Sowohl über die Dummheit, das Ticket weggeworfen zu haben, als auch, dass dann die völlige Panik über mich eingebrochen war. Wenigstens hatte ich es jetzt wieder. Natürlich kontrollierte mich daraufhin im zweiten Zug niemand und beim Aussteigen zögerte ich dennoch, ehe ich das Ticket diesmal endgültig wegwarf.
Am Flughafen lief dann wieder alles problemlos. Man ließ mich sogar meine handgepflückten Zitronen aus dem Garten im Handgepäck transportieren und damit war die letzte Hürde des Tages überwunden. Nun, beinahe. Dass die beiden amerikanischen Studentinnen, die neben mir im Flugzeug saßen, vor dem Start laut zusammen beteten, irritierte mich dann wieder. Wussten die was, über die Piloten, was ich nicht wusste? Aber nein, eine von ihnen trug ein Shirt mit der Aufschrift "Catholic University" neben einem Kruzifix; sie konnten also wohl einfach nicht anders...


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