Monday, March 4, 2013

Schwiegermutter, die Vierte...

War schon mal jemand an einem Samstag Vormittag um 10 Uhr im Supermarkt? Bislang hatte ich das immer vermieden und ahnte schlichtweg nicht, was mich erwarten würde. Zunächst einmal hat der Parkplatz zum Supermarkt eine Schranke, damit auch nur diejenigen dort parken, die einkaufen wollen. Und zum ersten Mal stand ich tatsächlich mehrere Minuten vor der Schranke, weil kein Parkplatz mehr frei war. Ich ahnte schon, was dann drinnen vor sich gehen würde. Und tatsächlich: ein einziges Geschiebe. Ist hier nicht groß anders als in Deutschland, aber irgendwie noch lauter. Man kam kaum an die Regale ran, an der Brottheke hatte man mindestens 15 Nummern Wartezeit, ehe man dran war. Ich versuchte mich immer irgendwo in einer Ecke in Sicherheit zu bringen, während meine Schwiegermutter alles in den Wagen packte, das sie finden konnte. Natürlich kannte sie auch hier jeden Zweiten, inklusive einiger Mitarbeiter, die mir allesamt vorgestellt wurden. Nach jedem weiteren Produkt im Wagen meinte meine Schwiegermutter "So und jetzt gehen wir zu deinem Alkohol", nur um dann wieder einen Haken zu schlagen und wieder in einem Gang zu verschwinden. Der Alkohol kam erst ganz zum Schluss dran - und er war prompt einen Euro teurer geworden!
Zum Mittagessen fuhren wir zu den Schwiegereltern nach Hause. Aufgrund der immer knapper werdenden Parkplätze parkte ich sehr weit draußen und hatte einen recht langen Fußweg zu laufen. Niemand versteht, was sich der Sindaco da überhaupt denkt, fast täglich knappen die hier die Parkplätze und verteilen fröhlich Strafzettel für all diejenigen, die sich dann irgendwo querfeldein stellen. Eine ziemliche Katastrophe, die sich hoffentlich in der nächsten Wahl niederschlagen wird.
Ludwig war außer sich vor Freude, als ich kam. Regelrecht hysterisch. Als er jünger war, war er weniger auf uns fixiert und war auch gerne bei anderen Menschen, insbesondere bei Nonna und Nonno, weil es da immer große Portionen mit viel Fleisch zu Essen gab. Aber inzwischen will er nur noch bei uns sein. Zum Mittagessen (wie immer 3 Gänge!) blieben wir noch dort, danach holten Ludwig und ich das Auto und säckelten dann auch wieder meine Schwiegermutter ein, die dann noch einmal ganz kurz in den Supermarkt wollte, weil sie die Tomaten für die Soße vergessen hatte. Was für ein intensiver Tag. Ich war schon wieder hundemüde und es war ja erst die Hälfte geschafft. Schließlich zuckelten wir wieder nach Hause.
Die Soße war jetzt dran. Was habe ich dabei gelernt? Im Grunde nichts, denn das, was sie mir zeigte, war im Grunde nichts anderes als das, was meine bessere Hälfte oft an Soße zubereitet. Man nehme Soffritto (Würfelchen aus Möhren, Sellerie und Zwiebeln), Olivenöl, Pfeffer, Salz, Muskatnuss, passierte Tomaten und nach Belieben Hackfleisch oder Thunfisch, Chili u.ä. Ich schaute dennoch zu, denn ich sollte mich neben den Herd stellen. Auf einer anderen Herdplatte brodelte derweil die Minestrone für den Abend. Ich hätte ja gerne meinen Wirsing zubereitet, den ich mir extra wenige Tage zuvor gekauft hatte, aber daran war nicht zu denken. Nachdem ich dann immerhin auch mal ein wenig arbeiten konnte - den Laptop hatte ich bis dahin noch nicht einmal aufgeklappt gehabt - wurde Ludwig wieder unruhig und so hieß es wieder Gassigehen...
Und als erstes stießen wir auf etwas, was ich schon fast vermisst hatte: Radfahrer. Aber nicht die normalen! Hier fährt man im perfekten Tour-de-France-Outfit Rad. Und dann in der Gruppe. Und das nur auf interessanten Strecken, also rauf die Berge und wieder runter. Alles andere wäre zu einfach. Ludwig und ich mussten eine Gruppe von rund 30 Radlern passieren lassen, ehe wir unseren Weg fortsetzen konnten. Sie hatten ordentlich zu kämpfen, waren aber bester Laune. Einer winkte uns sogar zu. Ludwig zerrte mich in den Ortskern, wo er erst Streit mit einem anderen Schäferhund anfing, dann mit mehreren hysterischen Yorkies und schließlich gingen wir einem überaus großen und brutal aussehenden grau-schwarzen Hund aus dem Weg, dessen Besitzer mir auch schon andeutete, dass wir besser in der Hauseinfahrt warten, in die ich Ludwig geschoben hatte. Der grau-schwarze Hund war monströs, ich denke es war eine Art Rottweiler, wenn auch eine ganz abscheuliche Variante. Wir hatten aber dann auch noch einen richtigen Rottweiler, der zu der Hauseinfahrt gehörte, in die wir uns geflüchtet hatten. Im Ganzen 3 große Hunde, die allesamt am ausrasten waren und der Rottweiler-im-Garten-Besitzer meinte nur "Großartig, 3 verrückte Monster auf einem Haufen!" Als das graue Monster weg war, zog ich mein Monster auch wieder weiter. Es war verdammt heiß in der Sonne. Seit einigen Wochen liebt Ludwig es oben auf der Serpentinenstraße über die halbhohe Betonbrüstung zu schauen. Man sieht das ganze Panorama, den Ort, die Stadt, die Berge und bis zum Meer. Mehrere Minuten lang steht er dann so da und schaut sich die Gegend an. Dann geht es ein paar Meter weiter und dann schaut er wieder. "Meine Güte, das ist ja mehr als Kalb als ein Hund!" rief es auf einmal hinter uns von einem Balkon. Ein Mann war völlig fasziniert und schaute uns nach bis wir um die Biegung verschwunden waren. Was für eine Schwerstarbeit, dieses Gassigehen. Ich war froh als wir wieder zu Hause waren, jetzt wollte ich wirklich mal meine Ruhe haben...


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