Monday, March 11, 2013

Meins, deins, unseres...

Während in den deutschen Familien meiner Exfreunde alles rigoros getrennt wurde, man den Eltern Autos zum Listenpreis abkaufte und nach einem Supermarkteinkauf nach Centbeträgen aufteilte, wer was gekauft hatte und wer die Nudeln übernimmt, wenn alle davon essen, ist es hier in Italien erfreulicherweise anders. Hier gibt es mehr ein "unseres" als ein "deins/meins". Für mich wird mit eingekauft, Möbel werden verschenkt, man bringt Essen mit und bedient sich an unserem. Wenn hier etwas erledigt werden muss, dann rückt die ganze Großfamilie an, nistet sich ein im Haus, bis das Problem beseitigt ist. Nicht unbedingt immer mit vorausgehendem Plan - vielfach fangen schlichtweg alle an an irgendwelchen Ecken zu arbeiten, manchmal kommen sie an uns wollen wissen, wo man dies und jenes hingebracht haben möchte. Nur wenn sich die Frage noch gar nicht stellt, weil man vielleicht erstmal die Renovierung fertigbringen möchte, ehe man einrichtet, dann entscheidet die Großsippe auf eigene Faust. So wurde eine große Platte, die ich als Tafel hatte nutzen wollen, spontan in der Mitte zersägt, um eines der großen Weinfässer darauf zu stellen. Mein gläserner Küchenmessbecher ging beim Farbeanrühren zu Bruch, in meinen Wasserflaschen befand ich schließlich Frittieröl, hausgemachter Rotwein und weitere unbekannte Flüssigkeiten, eine meiner hochwertigen Nagelscheren lag im Keller am Waschbecken. Das war für mich grenzwertig, auch wenn man nicht allzu laut klagen durfte, sonst hätte das als Undankbarkeit verstanden werden können. Undankbar oder nicht, ich war froh über die umfangreiche Hilfe, aber genervt von dieser Form der Fremdbestimmung, gegen die man kaum ankam. Deutsch wie ich nun mal bin, hätte ich gerne vorher einen Plan erstellt, dann hätte man gemeinsam die Aufgaben verteilt und am Ende wären alle zufrieden gewesen. Oder vielleicht auch nur ich.
Als ich vor einer Woche bei meinen Schwiegereltern zum Essen war, wollte ich nachsehen, ob meine Schwiegermutter tatsächlich meine Handcreme eingepackt hatte. Ich öffnete den Badschrank ganz vorsichtig und fand keine Handcreme. Dafür aber eine deutsche Zahnpastatube, die eindeutig von mir sein musste und ein deutsches Duschpeeling. Die Zahnpasta musste meine Schwiegermutter eingepackt haben, vielleicht hatten sie selbst keine mehr, und das wäre ja ok gewesen, aber ich wäre gerne gefragt worden. Zum Duschpeeling gibt es eine eigene Geschichte. Vor über 3 Jahren hatte ich meiner besseren Hälfte mal ein Paket geschickt, in das ich u.a. ein Duschpeeling und eine Augencreme für mich gepackt hatte. Konfus wie er nunmal oft so ist, hatte er das Paket bei seinen Eltern aufgemacht und  muss dabei meine Augencreme und das Peeling ausgepackt haben. Zumindest schwor er nachher es sei nichts Derartiges im Paket gewesen. Mir war schleierhaft gewesen, wo die Dinge bloß abgekommen waren, immerhin hatte ich das Paket selbst gepackt, verklebt und zur Post gebracht. Die Lösung kam, kaum dass ich meine Schwiegereltern zum ersten Mal kennengelernt hatte. Meine Schwiegermutter sagte in sehr langsamen Italienisch "Vielen Dank für das war du mir geschickt hast. Ich verstehe die deutschen Aufschriften aber nicht. Kannst du mir erklären, wozu man die Sachen benutzt?" Erst verstand ich nicht, doch schließlich ging meiner besseren Hälfte und mir ein Licht auf und wir erstarrten. Wir waren allesamt peinlich berührt. Ich fand Duschpeeling und Augencreme sogar säuberlich aufgereiht im Badezimmer stehen. Auf der Waschmaschine. Meine Schwiegermutter tat so als würde sie sich über eine Augencreme für die Haut ab 20 nicht wundern, meine bessere Hälfte schämte sich, dass er so unachtsam das Paket geöffnet und offenbar nicht alles wieder eingepackt hatte und ich ärgerte mich über den Verlust meiner Sachen und der Tatsache, dass ich das jetzt als Geschenk verkaufen musste (wer um Himmelswillen würde seiner Schwiegermutter als erstes Mitbringsel eine Augencreme und ein Duschpeeling mitbringen?!). Meine bessere Hälfte zischte zu mir hinüber "Das können wir jetzt nicht mehr aufklären, das würde nur noch peinlicher. Jetzt müssen wir mitspielen!" In den folgenden Wochen sah ich, dass die Produkte sogar eifrig benutzt wurden und wie ich jetzt feststellen konnte, war das Peeling bis heute noch nicht aufgebraucht. Es war ein Missverständnis gewesen, das konnte ja passieren. Aber meine Zahnpasta, das war Diebstahl. Und wo war jetzt meine Handcreme?


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